Spielhallen-Dieb hat „einfach keine Lust zur Arbeit“

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14. Mai 2019, 12:38 Uhr

Neumünster | Richter verfügen üblicherweise schon berufsbedingt über eine gehörige Portion Lebenserfahrung. Und dennoch werden auch sie immer wieder von bemerkenswerten Bekenntnissen ihrer Kundschaft überrascht.

So erging es jetzt dem Richter, der im Amtsgericht Neumünster einen jungen Angeklagten nach dessen Lebensunterhalt befragte: Mit geradezu verblüffender Offenheit räumte der der 30-jährige Angeklagte ein, dass er im Kosovo zwar den (gesuchten) Beruf des Maurers erlernt habe, er „eigentlich aber keine Lust zum Arbeiten“ verspüre.

Seit vier Jahren lebt er nach eigener Aussage in Deutschland – vorzugsweise von 350 Euro Unterhalt, die ihm sein Vater monatlich überweist. Gearbeitet hat der gebürtige Türke hier nach eigener Aussage jedenfalls noch nie.

Immerhin: Eine Geldstrafe von 150 Euro könne er im Falle einer Verurteilung noch gut verkraften, ließ der junge Mann den perplexen Richter wissen.

Der hielt sich an die Empfehlung: Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mit einer bereits verurteilten Komplizin verurteilte er den „hauptamtlichen Sohn“ zu 600 Euro Geldstrafe.

Das befreundete Pärchen hatte im April 2017 die Kasse einer Spielhalle ausgeräumt, in der die Frau damals als Aufsicht arbeitete und ihr damaliger Lebensgefährte einen Großteil seiner monatlichen Apanage verspielte.

Mit dem Diebstahl aus der Kasse wollte sich das Pärchen beim Besitzer der Spielhalle rächen: Angeblich hatte der seiner Angestellten den ihr zustehenden Lohn vorenthalten und sie bei einem Autohandel über den Tisch gezogen.

Der Griff in die Kasse flog jedoch schnell auf, die Diebe wurden festgenommen, das Geld blieb verschwunden. Die Frau war bereits in einem früheren Prozess verurteilt worden. Für ihre Beihilfe hatte sie vom Haupttäter 750 Euro erhalten.

Die Geldstrafe über 600 Euro darf der 30-Jährige – wie von ihm gewünscht – in monatlichen Raten von 150 Euro abstottern. Möglicherweise wird er allerdings noch wesentlich länger als vier Monate an seiner Strafe zu knabbern haben. Neben der Geldstrafe ordnete das Gericht eine sogenannte „Wertabschöpfung“ über 2216 Euro vom Konto des 30-Jährigen an – die Summe, die damals aus der Kasse der Spielhalle gestohlen worden war.

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