Humboldt-Schule : Spielfreude und Körpereinsatz

Lennard Johannsen (links) spielt Peer Gynt, der sich aus den Fängen der animalischen Trolle befreien will.
Lennard Johannsen (links) spielt Peer Gynt, der sich aus den Fängen der animalischen Trolle befreien will.

Humboldt-Schüler begeisterten mit ihrer Inszenierung von „Peer, Du lügst“.

shz.de von
07. Februar 2015, 07:00 Uhr

Neumünster | Ein voller Erfolg war die Premiere von „Peer, Du lügst!“ am Donnerstagabend in der Alexander-von-Humboldt-Schule. Vor über 200 Gästen präsentierte der Theaterprojektkursus die Inszenierung nach Henrik Ibsens Drama „Peer Gynt“. Das Stück zeigt die Abenteuer des Angebers und Moralverweigerers Peer, der die Extreme der menschlichen Natur auslotet, um die Grenzen der Selbstbestimmung zu erfahren. „Ich kenne keine Gebote außer denen, die ich mir selbst auflege“, behauptet Peer.

31 Schüler des 13. Jahrgangs beschäftigten sich seit dem Sommer mit dem mehrfach umgearbeiteten Stück. „Wir mussten ein Stück mit vielen Rollen finden. Peer Gynt hat sich dafür geeignet. Außerdem bietet der Stoff über den Angeber Peer ein interessantes Kaleidoskop der Welt“, erklärte der Lehrer für Darstellendes Spiel, Ulrich Peters, die Wahl.

Die über 100 Szenen des dramatischen Gedichts hat die Gruppe nach und nach reduziert, und zwar auf gut spielbare zehn Szenen. „Wichtig war uns, in der collageartigen Aneinanderreihung der Szenen einen roten Faden deutlich zu machen. Dafür haben wir stilistische Mittel wie etwa die begleitende Farbe Grün gewählt oder die Schweineköpfe, die immer wieder auftauchen“, erklärte Lennard Johannsen, der den Peer Gynt gab.

„Wir wollten ein niveauvolles Stück hinbekommen, dass Spaß macht, das einfach ein Knaller wird“, meinte der Lehrer. Beides haben die Schüler geschafft: Den anspruchsvollen Inhalt um Wertefindung zeigen sie sinnlich eingängig mit viel Körpereinsatz. Die Aufführung lebt durch die starken Bilder, die die Schüler in einer gelungenen Raumkonzeption mutig und überzeugend mit entfesselt wirkender körperlicher Präsenz erzeugen. Mit großen Gesten, lauten Stimmen und nackter Haut wird das Animalisch-Triebhafte, dem Peer sich phasenweise hingibt, dem Zuschauer lebendig geboten.

„Es war ein klasse Durchlauf“, freute sich Lennard Johannsen nach der Aufführung: „Meine Rolle habe ich gut vorbereiten können, weil ich auch im Regieteam war. Außerdem haben wir ein wundervolles Verhältnis zu unserem Lehrer, das auf Gemeinschaft und nicht auf der typischen Lehrer-Schüler-Hierarchie beruht.“

Das Publikum war ganz aus dem Häuschen und spendete viel Applaus. Einer der Zuschauer war Uwe Czerwonka, ehemaliger Lehrer an der Humboldt-Schule, der meinte: „Erstaunlich, was die Schüler bereit sind, einzubringen. Eine sehr beeindruckende Leistung, die sich auch durch die enorme Spielfreude speist.“

Heute gibt es um 19.30 Uhr im Theatersaal der Alexander-von-Humboldt-Schule im Roschdohler Weg 11 die letzte Vorstellung.

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