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Streit um den Fahrstuhl : Spielenachmittag wird zur Tortour

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Awo-Heim am Fuhrkamp fehlen ein Aufzug und behindertengerechte Toiletten / Das Gebäude in Einfeld gehört der Stadt

Neumünster | Ohne Hilfe geht es kaum. Wenn Johannes Wieckhoff zum Spielenachmittag ins Awo-Heim am Fuhrkamp in Einfeld will, heißt es zunächst Treppensteigen. 20 Stufen muss der 90-Jährige bewältigen. Oben angekommen, nimmt der rüstige Einfelder seine Gehstöcke wieder in Empfang und schnauft erst einmal durch. Und er ist noch nicht einmal der Älteste. 40 bis 50 Senioren von 70 bis 94 Jahren kommen alle 14 Tage zu dem beliebten Treff im Stadtteil. Auch der im Wechsel stattfindende Handarbeitsclub sowie zahlreiche Feste erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch vor dem Spiel- und Plauderspaß kommt stets die Treppen-Tortour, denn: Einen Fahrstuhl gibt es nicht. Und auch die Toiletten sind alles andere als behindertengerecht.

Als der Sportverein in den 70er-Jahren das Gebäude verließ und an den Roschdohler Weg zog, übernahm die Arbeiterwohlfahrt die Räume. Unten  sind mittlerweile eine Betreuungsgruppe für Kinder und eine U3-Gruppe untergebracht. Die Senioren zogen in die 1. Etage. Mit viel Herzblut richteten sie den großen Saal mit Theke ein. Der Awo-Ortsverein – mit 120 Mitgliedern der mit Abstand stärkste im Kreisverband – kaufte erst vor Kurzem eine neue Küche, steckte auch sonst einiges an Geld in die Unterhaltung. Dabei ist die Awo nur Pächter, das Gebäude gehört der Stadt. Der ist das Problem durchaus bekannt, eine Lösung hat sie aber bislang nicht: „2013 wurde der Pachtvertrag um 25 Jahre verlängert“, erklärt der stellvertretende Awo-Kreisvorsitzende Volker Andresen. Für ihn steht das Problem ganz oben auf der Agenda.

Andresen ist klar: „Alleine ein Fahrstuhl würde 80- bis 100  000 Euro kosten.“ Der zusätzliche Umbau der Sanitäranlagen und weitere mögliche energetische Maßnahmen schlagen zusätzlich zu Buche. „Die Stadt muss erkennen, wie wichtig dieser Treffpunkt für die Senioren in Einfeld ist“, sagt Andresen und fügt an: „Uns liegt daran, eine einvernehmliche und nachhaltige Lösung zu finden und nicht mit einem Forderungskatalog aufzutreten.“ Die offensichtlich einfachste Lösung, die Räume mit den Kindern im Erdgeschoss zu tauschen, geht aufgrund von Auflagen und Betreuungs-Bestimmungen nicht.

Monika Rieper, Organisatorin der Awo-Nachmittage, hebt zudem die Bedeutung des Saals in der ersten Etage hervor: „Hier haben wir alles, was wir brauchen. Wir alle fühlen uns hier sehr wohl.“ Einen Umzug in ein anderes, behindertengerechtes Gebäude will sie zwar nicht ausschließen, aber: „Mir ist nicht bekannt, dass es hier in Einfeld noch solche Räume gibt.“

Das Awo-Heim wird jetzt jedenfalls zur Chefsache in der Verwaltung. Thorben Pries, Büroleiter von Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, bestätigte gestern, dass es in Kürze ein Gespräch mit dem Kreisverband geben wird. „Wir gehen da völlig unvoreingenommen hinein“, sagte er gestern zum Courier.

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erstellt am 05.Mär.2015 | 11:00 Uhr

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