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Brachenfeld-Ruthenberg : Sperrmüll-Gebühr erhitzt die Gemüter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Professionelle Haushaltsauflöser melden auf Kosten der Allgemeinheit bis zu 30 Mal im Jahr eine Abfuhr an / Angst vor mehr wilden Müllkippen

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Die von der Stadt geplanten Gebühren für die Sperrmüll-Abfuhr haben am Mittwochabend für emotionale Diskussionen im Stadtteilbeirat Brachenfeld-Ruthenberg gesorgt. Bislang können die Neumünsteraner theoretisch jede Woche Sperrmüll beim Technischen Betriebszentrum (TBZ) anmelden und erhalten dann einen Termin für die kostenlose Abfuhr vom Straßenrand. Künftig soll nur noch eine Abholung pro Halbjahr frei sein, jede weitere dann 40 Euro kosten. Eine entsprechende Vorlage will die Verwaltung am 18. Februar zur Abstimmung in die Ratsversammlung einbringen. Das stieß im Beirat auf ein geteiltes Echo: Während einige Bürger meinten, es müsse alles beim Alten bleiben, erklärten andere, auch eine einzige freie Abfuhr pro Jahr reiche völlig aus.

Die Verwaltung versuche mit dem Vorschlag einen Kompromiss, sagte TBZ-Leiter Ingo Kühl vor rund einem Dutzend Zuhörern. Er verwies darauf, dass es nicht nur in Brachenfeld-Ruthenberg Personen gebe, die bis zu 30 Mal im Jahr Sperrmüll anmelden. „Das sind nicht selten gewerbliche Haushaltsauflöser oder Entrümpler, die auf Kosten der Allgemeinheit ihren Müll entsorgen und dafür auch Strohmänner nutzen“, so Kühl. Dieser Praxis wolle die Stadt mit dem neuen Gebührenmodell einen Riegel vorschieben. Die Abgabe von Sperrmüll an den acht Sammelplätzen in der Stadt bleibe zudem weiterhin kostenlos. Außerdem seien bei technischen Geräten auch die Hersteller in der Verpflichtung, Altgeräte anzunehmen.

Gleichzeitig betonte der TBZ-Chef, dass die Verwaltung durch die Gebühr keinen Gewinn mache. Der überwiegende Teil des Geldes werde durch die Bürokratie ohnehin wieder aufgezehrt.

Kühl sprach sich dagegen aus, grundsätzlich Geld für jede Sperrmüll-Abfuhr zu verlangen. Dann würden noch mehr Leute alte Möbel, defekte Elektrogeräte und abgenutzte Teppiche einfach heimlich in die Landschaft werfen. „Wir befürchten, dass die Zahl der wilden Müllkippen dadurch steigen könnte. Und letztlich müssten wir diese dann auch beseitigen“, sagte er.

Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Tobias Gottesleben (Grüne) hob in diesem Zusammenhang hervor, dass es gerade in Ruthenberg schon jetzt an vielen Stellen wilde Müllkippen gebe. „Gerade im Wendehammer der Noldestraße vor der Kita Ruthenberger Rasselbande steht immer wieder Abfall“, sagte er und befürchtete, das Problem könne sich mit Einführung einer Gebühr weiter verschärfen.

Hans-Jürgen Gorba (CDU) erklärte hingegen, zwei kostenlose Abfuhren im Jahr seien durchaus ausreichend. „Ich wohne schon jahrelang im Stadtteil und hatte vielleicht drei Mal Sperrmüll“, sagte er. Das sah Ratsherr Bernd Delfs (SPD), der als Gast an der Sitzung teilnahm, anders. Er gab zu bedenken, dass gerade in Mietwohnungen oft der Platz für Ausrangiertes fehle. „Da geht der Fernseher und ein paar Wochen später der Kühlschrank kaputt. Was dann?“, fragte er.

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