zur Navigation springen

Landtagswahl in Neumünster : SPD: Niederlage nach dem Wahlkrimi

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kirsten Eickhoff-Weber verliert ihr Mandat an Wolf Rüdiger Fehrs, zieht aber über die Liste ein / Genossen erlebten ein Kopf-an-Kopf-Rennen

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2017 | 08:30 Uhr

Neumünster | Als Kirsten Eickhoff-Weber kurz vor 20 Uhr im Rathaus auftaucht, ist für sie schon klar: Sie hat verloren. Nach 42 von 50 Wahlbezirken steht es 35,8 Prozent (Fehrs) zu 35,6 Prozent. „Das kann doch noch...“, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende Volker Andresen optimistisch. Die 56-Jährige winkt ab: „Da kommt noch Boostedt, das ist schwarz, das kannst Du abhaken.“ Sie trägt die Niederlage mit Fassung: „Wenn man sich zur Wahl stellt, muss man damit rechnen, nicht gewählt zu haben. Ich trage das mit Respekt vor der Demokratie und den Wählern.“ Erst Stunden später stand fest: Eickhoff-Weber zieht doch über die Landesliste in den neuen Landtag ein.

Die Parteigenossen haben zu diesem Zeitpunkt schon einen Abend mit Höhen und Tiefen hinter sich. 18.38 Uhr kommt das erste Ergebnis: Die SPD-Kandidatin hat 32,9 Prozent, Wolf Rüdiger Fehrs 28,7 Prozent. Ihr Sohn Paul Weber, SPD-Ratsherr Axel Westphal, Jann Franken, Antje Klein und Franka Dannheiser applaudieren spontan. Die Stimmung ist gut. „Wir hoffe, dass sie ihr Mandat verteidigt, sie hat hervorragende Arbeit geleistet“, sagt Westphal. Die Landesergebnisse im Fernseher schocken hier alle: CDU 33 Prozent, SPD 26, Grüne 13, FDP 11. „Das haut mich um, das verstehe ich nicht. Ich hoffe, dass Neumünster drüber liegt“, sagt Antje Klein. Gegen 19.20 Uhr werden die Mienen angespannter. Der Vorsprung zwischen Fehrs und Eickhoff-Weber schrumpft, die Hälfte der Wahlbezirke ist ausgezählt, es liegen nur noch 1,8 Prozent zwischen den Konkurrenten. Andresen gibt sich gegen 19.30 Uhr immer noch kämpferisch: „Das wird knapp, aber sie hat immerhin zehn Prozent mehr als die SPD auf Landesebene.“ Stellenweise herrscht Totenstille, alle kleben mit ihren Blicken an den Monitoren. Im Kopf-an-Kopf-Rennen liegt um 19.25 Uhr Fehrs erstmals mit fünf Prozentpunkten vorne. „Das ist ein Krimi“, sagt Antje Klein.

Auf der Wahlparty im „New Belle Epoque“ ist die Stimmung gedrückt. Das SPD-Urgestein Uwe Döring analysiert: „Ein enttäuschendes Ergebnis auf Landesebene. Ich vermute, wir haben Daniel Günther unterschätzt.“ Die zehn Prozent mehr für Kirsten Eickhoff-Weber zeigten, dass „die Menschen hier uns anders beurteilen. Aber man kann sich vom Landestrend nicht abkoppeln oder ihn gar umkehren.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen