Neumünster : Sparkasse Südholstein sucht Weg aus der Krise

„Wieder eine robuste, normale und erfolgreiche Sparkasse werden“ – das ist das Ziel des Vorstandsvorsitzenden Andreas Fohrmann.
„Wieder eine robuste, normale und erfolgreiche Sparkasse werden“ – das ist das Ziel des Vorstandsvorsitzenden Andreas Fohrmann.

Die Sparkasse Südholstein braucht 55 Millionen Euro frisches Kapital. Ziel ist, dass die Kosten weiter sinken. Dafür müssen auch Stellen abgebaut werden.

shz.de von
14. Juni 2014, 10:30 Uhr

Neumünster | Es ist ein steiniger Weg, den die schwer angeschlagene Sparkasse Südholstein und ihr neuer Vorstandsvorsitzender Andreas Fohrmann in den kommenden Jahren gehen müssen. Wenigstens hat der seit Januar amtierende Sparkassenchef schon mal die Richtung vorgegeben: „Unser Ziel ist es, wieder eine robuste, normale und erfolgreiche Sparkasse zu werden.“ Bis das soweit ist, werden Fohrmann und sein Vorstandskollege Martin Deertz reichlich Probleme lösen müssen. Denn: Das Kreditinstitut ist gleichermaßen kapital- und ertragsschwach. Das zu ändern bedeutet, es wird Einschnitte geben.

Zumindest das Kapitalproblem sieht Fohrmann vorerst als gelöst an. Nachdem die Sparkasse Südholstein bereits 2009 mit 100 Millionen und im vergangenen Jahr mit weiteren 60 Millionen Euro von der deutschen Sparkassenorganisation gestützt werden musste, benötigt das Institut jetzt weitere 55 Millionen Euro, um die in Zukunft steigenden Eigenkapitalanforderungen nach Basel III erfüllen zu können. Das soll reichen: „Die jetzige Kapitalausstattung beruht auf einer soliden und langfristigen Planung. Wir konzentrieren uns nun darauf, aus eigener Kraft in der Region zu wachsen“, erklärte Fohrmann am Freitag bei Vorlage der Bilanz 2013, die erneut keinen Gewinn ausweist. Erst in vier bis fünf Jahren rechnet Fohrmann damit, dass die Sparkasse Überschüsse erwirtschaftet und aus eigener Kraft Eigenkapital bilden kann.

Um die Ertragsschwäche zu überwinden, setzt Fohrmann auf Kostensenkungen und die Stärkung des regionalen Geschäfts. Die Nähe zu den Privatkunden soll weiter intensiviert werden. Im Firmenkundengeschäft soll sich das Institut auf mittelständische Unternehmen und Selbständige in der Region konzentrieren. Kredite an Kunden außerhalb des Geschäftgebietes sollen künftig grundsätzlich nicht mehr vergeben werden.

Gleichzeitig tritt Fohrmann auf die Kostenbremse. Bereits im vergangenen Jahr kündigte der Sparkassenvorstand an, dass 130 von insgesamt 800 Vollzeitstellen gestrichen werden sollen. Allerdings schließt Fohrmann nicht aus, dass durch Prozessoptimierungen noch weitere Jobs abgebaut werden. Filialschließungen soll es dagegen nicht geben – nachdem Anfang des Jahres elf von 47 Filialen geschlossen worden waren.

Gleichzeitig plant Fohrmann, Anfang kommenden Jahres die Zusammenarbeit mit der NRS Norddeutsche Retail-Service GmbH aufzukündigen. Bisher ausgelagerte Dienstleistungen wie der Kreditservice sollen wieder unter dem Dach der Sparkasse Südholstein erbracht werden. 65 bis 70 Mitarbeiter wechseln den Arbeitsplatz von NRS zur Sparkasse. Fohrmann erhofft sich davon eine Kostenersparnis „im unteren einstelligen Millionenbereich“. Durch die Senkung von Personal- und Verwaltungskosten bei gleichzeitigem Geschäftswachstum soll das Verhältnis von Aufwand und Ertrag um rund 20 Prozent gesenkt werden.

Immerhin: Trotz aller massiven Probleme und Negativschlagzeilen ist die Sparkasse 2013 im operativen Geschäft weiter gewachsen. Die Kundeneinlagen erhöhten sich um 3,5 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Zugleich wurden an Unternehmen und Selbständige neue Kredite in Höhe von 318 Millionen Euro vergeben, 65 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das Kreditgeschäft mit Privatkunden wuchs um 33 auf 222 Millionen Euro. Der Kreditbestand sank dagegen als Folge der niedrigen Zinsen um 3,1 Prozent auf gut vier Milliarden Euro – weil viele Kreditnehmer ihre kaum noch verzinsten Anlagen auflösten, um bestehende Darlehen zu tilgen. Die Bilanzsumme erhöhte sich leicht auf 5,132 (Vorjahr: 5,092) Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote lag nach Angaben des Vorstands bei 9,43 Prozent und erfüllte damit die Anforderungen.

Ende vergangenen Jahres beschäftigte die Sparkasse 980 Mitarbeiter. Bis zum Jahr 2020 rechnet Fohrmann damit, dass trotz Eingliederung der NRS-Beschäftigten nur noch etwa 850 Menschen bei der Sparkasse Südholstein arbeiten werden.

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