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Filialsterben : Sparkasse: „Die Kunden ziehen mit“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am kommenden Mittwoch schließen die Zweigstellen in Brachenfeld, Böcklersiedlung und Gartenstadt

Für die Kunden der Sparkasse wird es ernst: Am kommenden Mittwoch, 15. Januar, öffnen die Filialen an der Max-Richter-Straße, an der Röntgenstraße und an der Hauptstraße zum letzten Mal ihre Pforten.

Weil immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte von zuhause aus erledigen oder sich das nötige Einkaufsgeld in den großen Einkaufszentren aus dem Automaten ziehen, hatte die Sparkasse im Oktober die Schließung der drei Mini-Filialen verkündet.

Auch Andrea Lööck, die die Filiale an der Hauptstraße gemeinsam mit ihrem Kollegen Dennis Kuck betreut hat, beschleicht dabei ein wehmütiges Gefühl: „Die Brachenfelder sind mit ihrer Sparkasse eng verwurzelt, das war hier über Jahrzehnte eine Institution – die man natürlich nicht so leicht verlieren möchte“, hat die Filialleiterin gerade in den vergangenen Wochen aus unzähligen Gesprächen gelernt. Dennoch ist sie überzeugt, dass „ihre“ Kunden mitziehen.

Wie ihre Kollegen in der Böcklersiedlung und der Gartenstadt hat die Sparkassenfrau fleißig Überzeugungsarbeit geleistet, dass die Sparkassenkunden zwar ihre Anlaufstelle im Stadtteil, nicht aber ihre Ansprechpartner verlieren: Alle sieben bisherigen Fillial-Mitarbeiter sollen ihre Kunden auch künftig betreuen – nur eben in der Hauptstelle am Kuhberg. „Die persönliche Betreuung ist den Kunden wichtig“, sagt Lööck.

Ob die Rechnung aufgeht, müssen die nächsten Wochen zeigen. Oliver Eggerstedt, bei der Sparkasse für Privatkunden zuständig, verteidigte gestern erneut den unpopulären Einschnitt, der in den vergangenen Wochen zu heftigen Protesten in den Stadtteilen geführt hatte. Der Betrieb der Filialen sei wirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen, dass werde von den Kunden auch weitgehend akzeptiert, sagte Eggerstedt. Auch den ersatzweisen Aufbau (unbemannter) Servicestationen lehnte Eggerstedt mit Verweis auf die Kosten ab. Im Gegenzug soll es für ältere Kunden, die den Weg zur Hauptstelle nicht mehr auf sich nehmen wollen, aber einen neuen Extra-Service geben: Zunächst einmal im Monat wird ein erfahrener Sparkassenmitarbeiter im Seniorenheim Haus Berlin und im Kirchenbüro am Nachtredder Beratungsstunden anbieten. Für den Bereich Böcklersiedlung sucht die Sparkasse noch einen Kooperationspartner.

COURIER-KOMMENTAR

Keine Frage, das Aus für die Sparkassenfilialen in der Böcklersiedlung, in Brachenfeld und in der Gartenstadt  ist ein herber Schlag  – nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Stadtteile.  Gerade eben haben sich Stadtplaner und Wohnungsgesellschaften darauf zurückbesonnen, dass zu einem  gesunden Stadtteil eben auch ein lebendiges Stadtteilzentrum gehört.  Da passt  die heimische Sparkasse als möglicher Kristallisationspunkt nur zu gut ins Konzept.  Dass die Sparkasse – öffentlicher Auftrag hin oder her – den Stadtteilen und damit auch der Stadt einen Korb gibt, kann man ihr allerdings nicht wirklich übel nehmen. Wer sich als  (älterer) Kunde über die Geschäftspolitik der Sparkasse aufregt, sollte sich vielleicht zunächst mal  an die eigenen Kinder und   Enkel wenden, die ihre Bankgeschäfte lieber bequem vom heimischen Sofa aus im Internet abwickeln, statt den Weg in „ihre“ nächste Filiale zu suchen.

 

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erstellt am 11.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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