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Innenstadt : Spannende Stadtführung mit Kultur-Schwerpunkt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadtführung widmete sich dem Sager-Viertel / Start am „Hochregallager“ der Künstlerin Kristin Grothe

Neumünster | Mit den Schriftzügen, Mauersteinen, Säulenresten und Metallschrott verbinden sich Erinnerungen an die Gebäude, von denen sie stammen: Ein Stück spannender Stadthistorie bekamen gestern zwölf Teilnehmer einer besonderen Führung präsentiert. Stadtführerin Urte Grode startete von der Installation „Hochregallager“ der Künstlerin Kristin Grothe, die mit ihrem temporären Projekt vor dem Museum Tuch+Technik ein Stück Stadtgeschichte konserviert.

„Viele haben einen emotionalen Bezug zu diesen Dingen, dieses Kunstwerk betrifft fast jeden“, sagt die Künstlerin. Seit Mai lagern in einer Art Riesen-Setzkasten Fundstücke vom Abriss des Sager-Viertels. Die Geschichten der Menschen und ihre Erinnerungen will sie parallel zur Kunst erhalten. „Einem Glaser der ersten Stunde, der das Courier-Haus mitbaute, liefen die Tränen übers Gesicht, als er den Abriss sah. Eine Frau war entsetzt von den Fotos im Courier und sagte, dass das aussieht wie im Krieg“, erzählte die Künstlerin bei der Führung. Ein anderer Mann dachte an eine Übernachtung im Hotelchen mit seiner Freundin. Einem Unbekannten war die „Stadtpunkte“-Tafel so wichtig, dass er sie stahl. „Auf der Tafel waren Reste eines Aufklebers mit dem Wort ,going’ zu sehen, das passte. Ich habe sie neu drucken lassen“, sagte Grothe.

Die Teilnehmer waren beeindruckt. „Eine dolle Idee, das ist interessant anzusehen“, meinte Karin Iwersen (73). „Ich habe erst gedacht, was ist das?“, erinnert sich Monika Peters (66). Dana Döding (32) aus Tungendorf wollte auf der Führung ein bisschen fundierter Bescheid wissen über ihre Stadt: „Ich mag Neumünster und bin nach einer Zeit in Hamburg wieder nach Tungendorf gezogen.“ Ausführlich und detailliert berichtete Urte Grode von den Anfängen der Industrialisierung am Kleinflecken: „Vorne hat man gewohnt, dahinter kam Fabrik an Fabrik bis hin zum Wasser. Und den Pfennig, den man auf der Westseite des Großfleckens verdiente, gab man als Groschen auf der Ostseite wieder aus.“ Launig berichtete sie auch darüber, wie die Bahn nach Neumünster kam: „In Bad Oldesloe dachte man, dass das weibliche Gehirn Geschwindigkeiten von 20 Stundenkilometern nicht aushielt. Die Neumünsteraner „Dickköppe“ stritten erfolgreich um die Bahn.

Das „Hochregal-Lager“ wird Kristin Grothe nach dem Abbau im Herbst in ihrem Atelier einlagern. „Teile sollen in anderen Kunstprojekten weiterverwendet und nicht durch Einzelverkauf verstreut werden.“

Bei Interesse wird diese Sonderführung erneut angeboten, sagte die Stadtführerin.

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erstellt am 22.Aug.2014 | 06:45 Uhr

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