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Schleswig-Holstein Musik-Festival : Spannende Familiengeschichte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Professor Ulrich Matthée berichtete über die Familie Mendelssohn / 90 Besucher hörten gebannt zu

Neumünster | „Der Aufstieg dieser Familie ist eine mitreißende Erfolgsgeschichte“ – und ein Stück deutsche Geschichte dazu. Die Familie Mendelssohn und ihr weitreichendes kulturelles Wirken war das Thema der fünften Veranstaltung im Rahmenprogramm zum Schleswig-Holstein Musik-Festival (SHMF).


Eine Familie mit großem Stammbaum


Gewohnt eloquent und unterhaltsam berichtete Professor Dr. Dr. Ulrich Matthée am Mittwochabend in der Stadtbücherei vor 90 gebannten Zuhörern über die Vor- und Nachfahren der aktuellen Zentralfigur des SHMF, Felix Mendelssohn Bartholdy.

Parallel zum vielästigen Stammbaum der Familie, der bis ins zwölfte Jahrhundert reicht, bot der lebhafte Vortrag eine Menge Überraschungen – etwa, dass die Beigabe des Namens Bartholdy seitens eines Zweiges der Familie mit der Konvertierung zum Christentum einher ging, um schlicht-pragmatisch ein „Eintritts-Billett in die europäische Gesellschaft“ zu erwerben.

Interessant war auch, dass aus dieser Familie, die eine „ungewöhnliche Häufung von Talenten“ aufweist, der Begründer der Filmfirma „Aqua“ hervorgegangen ist, der Chemiker Paul Mendelssohn Bartholdy.

„Das Besondere an dieser Familie ist ihr Aufstieg aus den jämmerlichsten Verhältnissen auf den kulturellen Olymp, und das allein aus dem unbedingten Willen zum Lernen“, meinte der emeritierte Professor Matthée, der für seine Quellensichtung unter anderem nach Berlin in die Jägerstraße gefahren ist.

Dort bezog ein Zweig der Mendelssohns zu Beginn des 19. Jahrhunderts sein Wohn- und Bankhaus. Heute hat übrigens der deutsche Bundesrat seinen Sitz im ehemaligen Elternhaus der Geschwister Fanny und Felix in der Leipziger Straße. Lange vor der Einverleibung dieses Bankhauses durch die Nazis wurde dem Patriotismus, den Joseph und Abraham während der französischen Besetzung Hamburgs von 1810 bis 1813 gezeigt haben, Anerkennung gezollt: Ihr Hamburger Bankhaus wurden mit der Abwicklung der französischen Kriegsentschädigung beauftragt und gewann dadurch Renommee und Reichtum. Ein berühmter Kunde der Bank war der Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt.

Auch mit anderen Größen der deutschen Kulturgeschichte hatte die Familie Kontakt: Der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe war hingerissen vom jungen Felix und deklassierte Mozarts Frühwerke angesichts der Fähigkeiten dieses jungen Genius’ gar als „frühkindliches Lallen“. Ebenfalls ungeheuer beeindruckt vom Wunderkind war das britische Publikum: Felix spielte nicht nur auswendig auf dem Klavier – ein frappierendes Novum –, sondern gab dem Dirigieren eine ganz neue Bedeutung, indem er es über das stumpfe Taktschlagen hinaushob.

„Der Vortrag ist faszinierend! Herr Matthée vermittelt viel Interessantes sehr anschaulich. Und obwohl ich keine fanatische Musikliebhaberin bin, fesselt mich der Vortrag, und ich werde auch noch weitere Veranstaltungen des SHMF besuchen“, meinte die Zuhörerin Helga Kröger aus Neumünster.

Eberhardine Seelig konnte nur beipflichten: „Ich bin selbst begeisterte Biografieforscherin, auch deshalb und wegen der Problematik des Judentums ist diese Familienchronik so interessant.“

Verköstigt wurde das Publikum wie jedes Jahr vom Inner Wheel-Club Neumünster, die dabei eingenommenen 300 Euro kommen den Kindern aus Tschernobyl zugute, die dank Eberhardine Seelig und ihrem Team kürzlich in Neumünster zu Gast waren (der Courier berichtete).

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