Bevölkerungsprognose : Sozialräume entsprechen nicht den Stadtteilen

Neumünster hat neun Stadtteile, aber 16 Sozialräume.
Neumünster hat neun Stadtteile, aber 16 Sozialräume.

Die kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt basiert auf jahrzehntealten Sozialraumkarten. Sie sollen bessere Rückschlüsse ermöglichen.

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28. Juni 2014, 07:00 Uhr

Neumünster | Da gab es einige erstaunte und kritische Zwischenfragen: Als Volker Otzen vom Fachdienst Dezentrale Steuerungsunterstützung jetzt im Stadtteilbeirat Wittorf die Bevölkerungsprognose für Neumünster vorstellte, rieb sich so mancher Besucher verwundert die Augen. Denn die Sozialraumkarte, die Otzen präsentierte, entsprach so gar nicht den politischen Stadtteilen. Wittorf reichte gerade einmal bis an die Gadelander-, Mühlen- und Padenstedter Landstraße heran. Alles südlich davon wurde einfach Gadeland zugeschlagen. „Dann sind die Daten doch alle verfälscht“, beschwerte sich ein Besucher.

„Ganz im Gegenteil. Die Daten der Sozialraumkarte sind viel genauer und aussagekräftiger“, hält Bernd Heilmann von der Stadtplanung dagegen. Seine Begründung: Die politischen Stadtteile würden sich immer mal wieder ändern, vor allem im Rahmen von Anpassungen an Wahlbezirke. Einzelne Straßen oder Straßenseiten werden dann dem benachbarten Stadtteil zugeschlagen. Auch aktuell ist wieder eine Diskussion um die Stadtteilgrenzen entbrannt. Die Sozialräume hingegen sind schon seit Jahrzehnten fix.

Vor allem die Innenstadt als einwohnerreichster Stadtteil sei sehr vielschichtig und könne nicht komplett über einen Kamm geschert werden, so Heilmann. „Der Süden ist ganz anders strukturiert als der Norden.“ Das bilde die Sozialraumkarte besser ab, denn sie unterteilt die Innenstadt in insgesamt fünf Teilgebiete. Auch Brachenfeld und Ruthenberg sowie die Böcklersiedlung und Bugenhagen werden einzeln betrachtet. Hinzu kommt der rein statistische Stadtteil Stör entlang der Altonaer Straße, der auch immer wieder auf Landkarten seinen Platz findet.

Kritik, die Bevölkerungsprognose sei durch die verschobenen Grenzen nicht nutzbar, weist Heilmann zurück. „Es lassen sich durchaus Rückschlüsse ziehen, gerade weil wir mit dem Kartenwerk schon jahrelange Erfahrung haben.“ Wann genau und von wem die Sozialräume festgesetzt wurden, konnte Heilmann nicht sagen. Volker Otzen hatte im Stadtteilbeirat Wittorf darauf aufmerksam gemacht, dass es bei der Bevölkerungsprognose nicht um die Detailplanung geht. „Mit der Sozialraumkarte lassen sich aber durchaus demografische Trends nachweisen. Und die wollen wir den Bürgern verdeutlichen“, sagte er.

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