Neumünster : Souvenirs für Norddeutschland

Tele-Ball und Kescher  in allen möglichen Farben sind seit Jahren die Verkaufsschlager von Anja Reisen und ihrem Bruder Hans-Jürgen Rahlf.
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Tele-Ball und Kescher in allen möglichen Farben sind seit Jahren die Verkaufsschlager von Anja Reisen und ihrem Bruder Hans-Jürgen Rahlf.

Der Familienbetrieb ist aber fast 100 Jahre alt und ein Leuchtturm in Neumünster.

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02. Januar 2018, 18:28 Uhr

Neumünster | Hans-Jürgen Rahlf und seine Schwester Anja Reisen blicken schmunzelnd auf die Liste: Klettenwurzel-Haaröl, Fenchelhonig, Hutgummiband, Trägerschürzen, Geo-Hefte oder Wäscheleinen sind nur sechs von rund 800 Artikeln, die der „Sortiment-Großhandel“ Hans Rahlf vom Grünen Weg in Wittorf 1969 im Angebot hatte. Heute liegen fast 10 000 Artikel in der Halle an der Rendsburger Straße – alles, was man sich an Spielzeug, Reise-, Camping-, Saison- und Souvenir-Gegenständen überhaupt nur vorstellen kann. Vor exakt 25 Jahren firmierte das im kommenden Jahr 100 Jahre alt werdende Familien-Traditionsunternehmen zur Rahlf GmbH Fachgroßhandel.

Ältere Neumünsteraner werden sich noch an den Sitz am Kleinflecken 25 erinnern. 1953 wird Hans Rahlf, der Vater von Hans-Jürgen Rahlf und Anja Reisen, dort Alleininhaber der 1919 gegründeten Firma Robert Winkelmann. Sechs Jahre später benennt er das Geschäft in „Hans Rahlf Fabrikation – Import – Großhandel“ um. 1961 wird der Standort zu klein. Es folgt der Umzug in das größere neue Gebäude am Grünen Weg. 1971 heiratet Hans Rahlf Inge Schlüter. Im gleichen Jahr kommt Tochter Anja auf die Welt, 1975 folgt Sohn Hans-Jürgen. Nur drei Jahre später stirbt Hans Rahlf mit gerade mal 60 Jahren.

Fortan leitet Inge die Geschäfte. Im Jahr 2000 reicht das Lager auch am Grünen Weg nicht mehr. Die Firma zieht im laufenden Geschäftsbetrieb in die Rendsburger Straße 380 um. 2007 werden Anja Reisen und Hans-Jürgen Rahlf Geschäftsführer, seit drei Jahren sind sie alleinige Chefs der Firma mit circa 50 Mitarbeitern; ein Neumünsteraner Leuchtturm-Betrieb im doppelten Sinne.

Denn wer den rund 400 Quadratmeter großen, ganzjährig geöffneten Musterraum betritt, fühlt sich sofort im Strand-Urlaub. Anker, Muscheln und Seemänner beherrschen das Bild. Hinter Figuren in allen Formen und Farben liegen und stehen Stoff-Robben, sogenannte „Laber-Möwen“, die alles nachplappern, Strandspielzeug, Buddelschiffe und Deko-Artikel. Erst in zweiter Reihe finden sich Einhörner, Papier- und Haushaltswaren oder Saisonartikel zu Ostern, Weihnachten und Silvester. „Maritimes ist der Klassiker. Logisch, wir befinden uns ja auch an der Küste“, sagt Anja Reisen. Die Verkaufsschlager seit Jahren sind der Kescher, das Strandspielzeug-Set mit Eimer und Schaufel und der „Tele-Ball“, ein Plastik-Fußball. Beides finden Urlauber fast in jedem Souvenir-Shop zwischen Süd-Dänemark und Nord-Niedersachsen, zwischen Borkum und Usedom. Und mit großer Wahrscheinlichkeit kommt es dann aus Neumünster. Denn in Norddeutschland gibt es nur eine handvoll Mitbewerber in dieser Größe.

„Wir importieren die Ware aus Fernost nicht selbst, sondern über einen Partner“, sagt Hans-Jürgen Rahlf. Rund 400 Neuheiten gibt es jedes Jahr. Ähnlich viele Artikel gehen auch wieder aus dem Sortiment.

Für die Geschäftsführer und ihr Team ist es im Herbst immer wieder ein Blick in die Glaskugel. Was läuft im kommenden Jahr? „Wir müssen Trends wie Loom-Bänder oder Fidget-Spinner vorab erkennen, denn sind sie erstmal auf dem Markt, ist der Hype auch schnell vorbei“, sagt Hans-Jürgen Rahlf. Zudem dauert es, bis nach der Bestellung per Schiff geliefert wird schon mal einige Monate.

Die Außendienstmitarbeiter sind dabei wichtige Informanten. Sie betreuen die rund 1800 Kunden vor Ort. „Als Rund-um-Dienstleister bietet unsere Firma seit Jahrzehnten einen Vollservice an“, sagt Hans-Jürgen Rahlf. Sein Lieblingssouvenir ist übrigens ein Kaffeebecher, den er einmal von einem Mitbewerber bekommen hat.

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