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Sofi-Pleite : Sonnenfinsternis nur auf der Leinwand

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wolkendecke verhinderte einen klaren Blick / Bilder aus Hannover als Ersatz / NDR-Team filmte die Astronomen

Neumünster | Morgens um 5 Uhr gab es noch Hoffnung: „Ich bin aufgestanden und dachte mit einem Blick zum Himmel: ,Das könnte noch was werden’“, sagte Stefan Bruns, stellvertretender Leiter der VHS-Sternwarte. Doch als er und weitere Hobby-Astronomen  gegen 9 Uhr ihre Teleskope auf dem Großflecken aufbauten, wurde klar: Diese Sonnenfinsternis  ist in Neumünster nicht zu sehen. Trotzdem lockte die „Sofi“-Aktion rund 50 Sternengucker – auch weil ein NDR-Team für einen Beitrag drehte.

Moderator Christopher Scheffelmeier, Kamerafrau Julia Schwenzer und drei Ton-, Licht- und Regiekollegen interviewten Stefan Bruns. Der erklärte anhand von Früchten vom Wochenmarkt sehr anschaulich, was bei einer Sonnenfinsternis passiert. „Der Mond schiebt sich zwischen Sonne und Erde“, sagte er und drehte eine Tomate in die Umlaufbahn zwischen der großen Wassermelone und  der kleinen Honigmelone. Außerdem erläuterte er die frühere Bedeutung von Sonnenverfinsterungen: „Die wurden als schlechtes Omen gewertet und dienten dazu, schlimme Ereignisse zu erklären.“

Um den Dreh herum scharten sich viele Sternengucker, die etwas enttäuscht in die graue Wolkendecke schauten – so wie Christel Cruse (71) aus der Stadtmitte. Sie war wie so manche mit einer Sofi-Brille gerüstet: „Das interessiert mich wahnsinnig. Ich wollte dabei sein, auch weil ich die nächste Sonnenfinsternis in 80 Jahren nicht erleben werde.“ Um 10.45 Uhr, als die Sonne maximal bedeckt war, merkte man von einer Verfinsterung nicht viel. Es wurde lediglich etwas dunkler. „Kann mal jemand die Wolken wegschieben?“, sagte Bruns schmunzelnd und trug es mit Fassung. Moderator Scheffelmeier kommentierte: „Wir kriegen hier in Neumünster nicht so viel mit, es gibt leider keine Wolkenlücke.“

Zu sehen gab es trotzdem eine Menge:  Am Sternwarten-Stand informierte Marianne Harms von der VHS („ich bin heute die Sternschnuppen-Beauftragte“).  Wie die verschiedenen Teleskope funktionieren, erklärten Hobby-Astronomen wie Rainer Siede (54) aus Altenholz. Er hatte  ein Maxutov-Spiegelteleskop und ein spezielles Sonnenteleskop dabei. „Beim ersten Teleskop sieht die Sonne für den Betrachter wie eine weiße Scheibe aus. Das Licht fällt auf Spiegel, wird reflektiert und gebrochen. Bei dem Sonnenteleskop sorgt ein so genannter H-Alpha-Filter dafür, dass man die Strukturen und Protuberanzen auf der Sonnenoberfläche gut erkennen kann.“

Trotz der Wolkendecke war es den Schaulustigen möglich, die Verfinsterung zu verfolgen – dank der Sternwarte in Hannover-Linden. Dort herrschte besseres Wetter. Stefan Bruns spielte die Bilder aus Hannover via Laptop ein und projizierte sie auf eine Leinwand. Das war ein Motiv für viele Handy-Schnappschüsse. Andere behalfen sich ebenfalls mit einer Übertragung: Die Kita-Kinder der Ruthenberger Rasselbande sahen gestern Vormittag „Sonnen-TV“. Kita-Leiter Dietrich Mohr hatte eher aus Sorge  eine Alternative organisiert – Bilder aus dem Internet-Stream. „Ich wollte vermeiden, dass die Kinder aus Versehen draußen doch einen Blick in die Sonne riskieren und ihre Netzhaut schädigen.“ Alle Kinder  wurden vor die Leinwand getrommelt und vergaßen die Sonne draußen. „Das  war richtig klasse, sie fanden es total spannend“, sagte Mohr.

 Wer Lust auf Planeten & Co. hat: Die VHS-Sternwarte am Hahnknüll ist bei gutem Wetter jeden dritten Freitag für spontane Besuche geöffnet.

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