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Ratsversammlung : Soll die Agnes-Miegel-Straße umbenannt werden?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Linken-Ratsherr meint, die Straße solle lieber Anni-Wadle-Weg heißen. Die Stadt muss das jetzt prüfen.

von
erstellt am 16.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Neumünster | Wie stark war die Schriftstellerin Agnes Miegel dem Nationalsozialismus verbunden? Mit dieser Frage hat sich die Ratsversammlung beschäftigt, weil Ratsherr Jonny Griese von der Linken beantragt hatte, die Agnes-Miegel-Straße in Anni-Wadle-Weg umzubenennen.

Seit 1969 trägt die kleine Straße in Brachenfeld den Namen der Schriftstellerin und Journalistin Agnes Miegel (1879-1964). Sie schrieb Gedichte, Erzählungen und Balladen, galt als „Mutter Ostpreußens“. In der Bundesrepublik erhielt sie zahlreiche Ehrungen, viele Schulen und Straßen sind nach ihr benannt; 1979 gab die Bundespost ihr zu Ehren eine Briefmarke heraus. Seit einigen Jahren wird Miegels Verhalten in der Zeit des Nationalsozialismus’ allerdings deutlich kritischer gesehen, und mehrere Städte haben Benennungen rückgängig gemacht.

Jonny Griese meinte, die Straße solle künftig lieber „Anni-Wadle-Weg“ heißen. Anni Wadle (1909-2002) war während der NS-Zeit in Kiel als Widerstandskämpferin aktiv, saß im Gefängnis und im KZ und hat sich auch später stets gegen Faschismus, Rassismus und Krieg eingesetzt. Sie hat lange in Einfeld gelebt, wo sie 2002 auch starb. Ihr Sohn Heiner Wadle ist aktiv in Neumünsters „Bündnis gegen Rechts“.

Auf Antrag der SPD-Fraktion soll die Verwaltung nun zunächst herausfinden, wie genau Agnes Miegel zum Nationalsozialismus stand. Dann soll die Ratsversammlung neu entscheiden, ob die Straße einen neuen Namen bekommen soll.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerd Kühl sagte, Anni Wadle sei seines Wissens Mitglied der (1956 verbotenen) KPD gewesen. Und er bemerkte, das Straßenschild der Agnes-Miegel-Straße sei in den vergangenen Tagen erst beschmiert und dann gestohlen worden. Kühl: „Ich schiebe Ihnen das nicht unter, Herr Griese, aber ich kenne Ihre Arbeitsweise.“ Das löste eine gewisse Empörung im Saal aus. Ralf Ketelhut von den Grünen sagte: „Es gibt keinen Grund, Jonny Griese zu diffamieren, Herr Kühl. Auch Sie haben sich hier schon so einiges geleistet.“

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