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Boostedt : Soldat der ersten Stunde: Diethard Lienke diente fast 30 Jahre lang in Boostedt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wenn morgen per Appell das letzte Bataillon in der Boostedter Rantzau-Kaserne aufgelöst wird, kommt bei Hauptmann a.D. Diethard Lienke (76) Wehmut auf.

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erstellt am 15.Apr.2015 | 05:45 Uhr

Boostedt | Wenn morgen per Appell das letzte Bataillon in der Boostedter Rantzau-Kaserne aufgelöst wird, kommt bei Hauptmann a.D. Diethard Lienke (76) Wehmut auf. Der gebürtige Stettiner war auf den Tag genau 57 Jahre zuvor am 16. April 1958 Soldat der ersten Stunde in Boostedt.

Die Kaserne trug da noch gar nicht ihren Namen, sondern hieß bis 1966 Truppenunterkunft Boostedt. Lienke rückte als Panzerschütze in der Kompanie 3./PzBtl 13, dem späteren Panzer-Bataillon 183, ein. „Die Kaserne war noch gar nicht fertig gebaut“, erinnert sich Lienke, der sich 1958 als Soldat auf Zeit verpflichtete und dann seit 1969 bis zu seinem Ruhestand 1991 als Berufssoldat diente.

In den Truppenunterkünften fehlten noch die Treppengeländer, auch die Fenster waren noch nicht abgedichtet, erinenrt sich Lienke: „Es zog wie Hechtsuppe. Beim Abendessen auf der Stube knirschte der Sand, der durch die Fensterritzen zog, zwischen den Zähnen.“ Lienke und seine Kameraden waren die ersten Rekruten in Boostedt. Bis September 1987, also fast 30 Jahre lang, diente Lienke in Boostedt. Damit war er am Standort wohl einer der Soldaten mit der längsten Dienstzeit.

Die militärische Entwicklung in Boostedt und Neumünster hat Lienke, der seit einigen Jahren in Padenstedt-Kamp wohnt, mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt. „Den Zusammenbruch des Ostblocks hat niemand vorhersehen können“, sagt Lienke. Nach der Wende 1989 ging alles recht schnell. Den rasanten Umbau der Bundeswehr von der Landesverteidigung zur internationalen Einsatzarmee erlebte Lienke nicht mehr in seiner aktiven Zeit.

Als 2011 die Entscheidung fiel, dass der Standort Boostedt bis auf Rudimente aufgelöst wird, war das auch für Lienke eine große Enttäuschung. „Boostedt liegt im Mittelpunkt von Schleswig-Holstein und damit ideal für eine Logistikeinheit“, sagt der frühere Berufssoldat. Die Zukunft als Außenstelle der Flüchtlingsaufnahme von Neumünster nennt er eine „brauchbare Lösung, von allen schlechten ist sie noch die beste“.

Das Verhältnis der Bevölkerung zur Bundeswehr war nicht nur in Boostedt anfangs „sehr reserviert bis feindselig“, erinnert sich Dienthard Lienke. „In Hamburg konnte man nicht in Uniform ausgehen, ohne angepöbelt zu werden“, so Lienke. Das änderte sich erst mit der Flutkatastrophe von 1962. Während der Schneekatastrophe im Winter 1978/79 bewährte sich das Bataillon erneut im zivilen Katastrophenschutzeinsatz. Diethard Lienke fuhr als Panzerkommandant mit einem Sanitätspanzer im Schlepptau nach Kirchbarkau, um eine Schwangere ins Krankenhaus nach Kiel zu bringen. „Das Baby Michaela war schneller“, erinnert sich Lienke noch heute an die bewegenden Tage damals.

Als weitere Höhepunkte aus fast 30 Boostedter Dienstjahren sind Lienke eine Quarantäne 1959 wegen zweier Typhusfälle in der Kaserne und die großen Sportfeste und Tage der offenen Tür mit mehreren Tausend Gästen haften geblieben. Lienke selbst organisierte 1984 ein Bürgerbiwak mit 25  000 Besuchern und spektakulären Vorführungen. So fuhr ein Panzer mit einem Bierglas auf der Kanone durchs Gelände, ohne einen Tropfen zu verschütten.

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