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Karstadt in Neumünster : So wurde der Millionen-Deal eingefädelt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sparkassen-Chef Andreas Fohrmann hatte erst vor sechs Wochen die Idee, die Immobilie am Großflecken zu kaufen. Verhandelt wurde auch am Flughafen.

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erstellt am 06.Dez.2015 | 18:36 Uhr

Neumünster | Seit Freitagmorgen und bis über das Wochenende war das Thema „SparStadt“ (Sparkasse kauft Karstadt) das Thema Nummer 1 in Neumünster. Seit Freitag ist sicher: Karstadt kann am Großflecken bleiben. Erst jetzt wurde bekannt: Der Millionen-Deal wurde in kürzester Zeit eingefädelt und durchgezogen.

Mit der Eröffnung der Holsten-Galerie am Gänsemarkt wird die Innenstadt in Neumünster aktuell auf die Probe gestellt. Mehrere Geschäfte sind vom Großflecken in das neue Einkaufszentrum gewechselt, einige Läden stehen deshalb nun leer. Die Verwaisung der Karstadt-Immobilie wäre ein weiterer Rückschlag für Neumünsters Innenstadt gewesen.

Der Vorstandschef der Sparkasse Südholstein, Andreas Fohrmann, hatte sich schon länger darüber gewundert, dass sein Institut keine Immobilien mehr hat. Die hatte sein Vorvorgänger Mario Porten 2007 verkauft – und teuer zurückgemietet. Dass der Karstadt-Konzern dasselbe Problem hat, war lange bekannt – aber vor etwa sechs Wochen reifte bei Fohrmann die Idee, sich um das Kaufhaus am Großflecken zu bemühen.

Er rief in der Karstadt-Zentrale in Essen an, trug sein Interesse vor und bat den neuen Vorstandschef Dr. Stephan Fanderl um Rückruf. „Der hat mich abends zu Hause angerufen, und wir haben lange geredet“, sagte Fohrmann. Es folgte ein Treffen auf dem Düsseldorfer Flughafen, wo es schon um konkrete Zahlen ging.

Diverse Gespräche folgten, denn zunächst musste eine Einigung mit dem Immobilien-Besitzer „Highstreet Holding“ erzielt werden. Von dem war bekannt, dass er schon zwei Karstadt-Häuser an Gesellschaften in Mönchengladbach und Dessau verkauft hatte.

Der Vorstand der Sparkasse band seine Gremien ein, und auch Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras wurde früh eingeweiht. Er half mit, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, und beantwortete viele Fragen von Karstadt bezüglich der Einzelhandelsentwicklung und des -konzepts der Stadt. Fanderl kam auch mehrfach nach Neumünster, sah sich sein Kaufhaus an, schlenderte über den Großflecken und durch die Holsten-Galerie. Als Fohrmann sich dann mit Highstreet einigte, ging alles sehr schnell.

Die Reaktionen in Neumünster sind ausschließlich positiv. „Herzlichen Glückwunsch, Neumünster! Dank an alle Beteiligten, besonders die regionalen Akteure, die das Weiterleben von Karstadt ermöglicht haben“, sagte IHK-Chef Lutz Kirschberger. Der SPD-Fraktionschef Uwe Döring teilte mit: „Das ist eine großartige Nachricht! Dadurch haben wir jetzt einen Eigentümer, der sich auch der Stadt verbunden fühlt. Jetzt kann in Ruhe ein attraktiver Neubau mit möglichst einer gemischten Nutzung aus Handel, Wohnen und Gastronomie entwickelt werden.“

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