Musik-Tauschbörsen : So schnell droht Klage

Musiktausch übers Internet: Der Verstoß gegen Urheberrechte ist strafbar. Foto: dpa
Musiktausch übers Internet: Der Verstoß gegen Urheberrechte ist strafbar. Foto: dpa

Die scheinbar kostenlose Musik aus dem Netz kann richtig teuer werden: Anwälte der Musikindustrie verschicken immer öfter saftige Abmahnungen.

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07. November 2007, 07:49 Uhr

Für Niko aus Kiel sind es nur ein paar Klicks. Dann ist der 16-Jährige bei einer der vielen beliebten Musik-Tauschbörsen im Internet gelandet und hat sich die Zugangssoftware heruntergeladen. Was der Jugendliche nicht weiß: Das Programm, das er sich auf seinen Rechner installieren muss, öffnet mit jedem Besuch der Tauschbörse auch Dateien seines Rechners für Dritte zum Herunterladen. Jeder im weltweiten Netz kann sich dann heimlich zum Beispiel Musiktitel von Nikos Rechner klauen. Damit verstößt er gegen Urheberrechte und macht sich strafbar. Immer häufiger werden diese Taten jetzt von speziellen Spionen der Musikindustrie aufgedeckt und angezeigt. Die Forderungen belaufen sich in der Regel auf fünf- bis zehntausend Euro pro Fall. "Die Anwälte der Musikindustrie lassen zwar mit sich verhandeln", sagt Dr. Frank Markus Döring, Fachanwalt aus Flensburg, unterm Strich bleibe aber immer ein Betrag von rund 650 Euro - plus der Anwaltskosten.

"Wir haben in den letzten Monaten in unserem Zuständigkeitsbereich tausende Strafanzeigen erhalten", sagt Gyde Kaschner, Kieler Staatsanwältin im Wirtschaftsdezernat. Sie ist mit zwei Kolleginnen und einer Amtsanwältin aus dem Ressort IT-Kriminalität mit der Bearbeitung betraut. In der überwiegenden Zahl der Fälle würde aber von einer Strafverfolgung abgesehen. Nur rund 100 seien auch zur Anklage gekommen, "zumeist Wiederholungstaten", sagt Kaschner. "Viele Sachverhalte sind nicht mehr ermittelbar, oder es handelt sich um Bagatelldelikte." Wo die Grenze liege, müsse jedes Mal geprüft werden.
Internet-Protokoll gibt Auskunft über Online-Sünder

Einen Freifahrschein bedeutet das für die Nutzer aber nicht. Denn in jedem angezeigten Fall wird von der Staatsanwaltschaft beim Provider recherchiert, wer online war. Dieses geschieht über die so genannte IP-Adresse, die der Rechner bei jeder Internet-Nutzung zugeordnet bekommt. Durch Akteneinsicht haben die Kanzleien der Musikindustrie dann die Möglichkeit, dem Nutzer eine saftige Abmahnung zu schicken.

Anwalt Döring kennt diese Schreiben zur Genüge. "Jede Woche bekomme ich zwei von Mandanten auf den Tisch", sagt er und sieht die Rechtsprechung kritisch: "Es kann nicht sein, dass jemand bestraft wird für etwas, von dem er gar nicht weiß, dass er es tut." Bisher habe aber kein Gericht diesen Sachverhalt zu Ende verhandelt. "Es bleibt in der Regel bei einem Vergleich, weil die Angeklagten Angst vor noch höheren Strafen haben." Döring rät, die Finger von kostenlosen Tauschbörsen zu lassen. "Für seriöse Angebote muss man immer zahlen."

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