Fussball in Neumünster : So erklärt Bernd Hagen seinen Rücktritt als VfR-Vorsitzender

Berichtete von unüberbrückbaren Differenzen: Der zurückgetretene VfR-Vorsitzende Bernd Hagen (links), hier mit Sportchef Thomas Möller, der im Verein als engster Vertrauter Hagens galt.
Foto:
Berichtete von unüberbrückbaren Differenzen: Der zurückgetretene VfR-Vorsitzende Bernd Hagen (links), hier mit Sportchef Thomas Möller, der im Verein als engster Vertrauter Hagens galt.

Der Rücktritt kam überraschend. Hintergrund sind wohl Differenzen im Vorstand.

shz.de von
16. Januar 2018, 16:34 Uhr

Das war ein kurzes Vergnügen! Nach noch nicht einmal einem Jahr an der Vereinsspitze legte Bernd Hagen seinen Posten als 1. Vorsitzender des Traditionsclubs VfR nieder. Am späten Montagabend informierte er die Presse darüber. Der Bauunternehmer war gerade mal 355 Tage im Amt. Lediglich elf Rasensport-„Präsidenten“ in der knapp 108-jährigen Vereinshistorie waren noch kürzer mit von der Partie, darunter der Gründungsvorsitzende Willy Schaaf (213 Tage), Fritz Steudel als Mann mit der kürzesten Amtszeit (94) und – als Einziger in der jüngeren Vergangenheit – Jörg Rost (248).

„Es gab zuletzt unüberbrückbare Differenzen“, berichtete Hagen von Problemen auf höchster Ebene; Probleme, denen er sich nicht mehr stellen wollte. Besonders das Verhältnis zu seinem Vorgänger und 2. Vorsitzenden zugleich, Gerd Grümmer, soll zerrüttet gewesen sein. Auch seien die Ziele weit auseinander gedriftet. „Ich peile leistungsorientierten Fußball an. Dieses Ziel soll beim VfR aber offensichtlich nicht verfolgt werden“, sagte Hagen („Ich bin einer, der geradeaus denkt und läuft.“) und führte als weiteren Grund für seinen Rücktritt an: „Der VfR kann alleine nicht bestehen. Der Geldeinsatz ist viel zu hoch, man müsste vielmehr die Kräfte bündeln.“ Der 49-Jährige deutete damit an, dass es nur im Bereich von Kooperationen und Fusionen vorangehen könne.

Kooperation mit dem PSV?

Hagen hat bekanntlich ein Herz für den Sport, er fördert – auch über die Stadtgrenzen hinaus – mehrere Vereine und Mannschaften, darunter den TS Einfeld, Holstein Kiel, die Handballerinnen der HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen – und den VfR-Nachbarn PSV. Eine Zusammenarbeit mit den Grün-Weißen sei naheliegend, erklärte Hagen. Damit stieß er im Verein jedoch auf taube Ohren – nicht nur bei seinen Vorstandskollegen gilt eine Kooperation oder gar Fusion mit den „Polizisten“ als echtes „No-Go“.

Hagen, der den VfR maßgeblich unterstützt (finanziell, mit Arbeitsplätzen und mit Fahrzeugen) und streng genommen der eigentliche Hauptsponsor ist, sah sich zuletzt auch an Grenzen angekommen. „In unserer Stadt, und damit meine ich nicht in erster Linie Politik und Verwaltung, könntest du nur vorankommen, wenn du mit anderen Clubs gemeinsame Sache machst. Wir haben viel zu viele Vereine in Neumünster. Einer nimmt dem anderen etwas vom Kuchen weg“, verwies er auf Finanzspritzen nach dem Gießkannenprinzip.

Gegenwind von Sponsoren

Der eigentlich beliebte VfR-Boss hatte in den vergangenen Wochen in Sponsoren- und Fan-Kreisen ersten Gegenwind erfahren. Die Abmeldung der zweiten Mannschaft aus der Verbandsliga war vielen sauer aufgestoßen, nachdem bereits die generelle Anstoßzeit der Oberliga-Heimspiele in der laufenden Fußballsaison (sonnabends, 13 Uhr) für großen Unmut gesorgt hatte. „Aber damit hat mein Rücktritt nichts zu tun“, betonte Hagen.

Vorerst wird nun wohl erst einmal wieder Hagens Vorgänger Grümmer den Verein führen. Und was wird aus dem Bauunternehmer? „Ich werde abwarten, was jetzt passiert. Wenn alles im Verein Hand und Fuß hat, kann ich mir ein weiteres finanzielles Engagement beim VfR vorstellen“, erklärte der 49-Jährige. Seine Frau Brigitta, die das Vereinsheim führt, wird voraussichtlich weitermachen. „Sie hat ja einen Pachtvertrag mit dem Verein zu erfüllen. Außerdem kann sie für sich selbst entscheiden“, sagte Bernd Hagen.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen