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Wladimir Kaminer in der Werkhalle : Skurrile Geschichten in Reinkultur

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bestsellerautor Wladimir Kaminer unterhielt in der Werkhalle begeisterte Satirefans.

Neumünster | In (fast) jedem Satz, den Wladimir Kaminer ins Mikrofon sprach, gab es eine mehr oder weniger versteckte köstliche Pointe. Die 350 Satirefans in der ausverkauften Werkhalle konnten am Mittwochabend im Rahmen des Kunstfleckens zwei Stunden ihre Lachmuskeln trainieren.

Dem gebürtigen Moskauer gelingen schier unglaubliche Situations- und Figurenbeschreibungen, die stets zwischen Realität, Ironie und Wahnsinn angelegt sind. Dabei las er nicht nur aus zwei seiner inzwischen 22 Bücher vor, sondern improvisierte im Dialog mit dem Publikum und erfand spontan skurrile Geschichten.

Bei einer Bärenjagd in Lettland sei der Bär abhanden gekommen, die Verantwortlichen besorgten einen neuen aus dem Zirkus, der fand ein Fahrrad und radelte vor die Jagdgesellschaft. Als Kaminer dann das Jagdkommando preisgab: „Schießt auf die Reifen“, tobte der Saal.

Alle seine Geschichten sind Erlebnisse aus seinen Reisen, dem Leben, seiner Familie und aus kulturpolitischen Vergleichen mit seinen früheren Landsleuten aus der Sowjetunion. Ohne eine Miene zu verziehen, sprach er über seine 83-jährige Schwiegermutter, die seit 23 Jahren immer denselben VHS-Kursus bei der selben Englischlehrerin besucht, und dazu quer durch Berlin fährt. Auch seine beiden Kinder mussten für die Geschichten Stoffe liefern. Als er seinen Sohn fragte, warum er in Französisch so schlecht sei, habe der gesagt: „Französisch ist schwer, aber im Stimmbruch französisch zu sprechen und nicht schwul zu klingen, ist unmöglich.“

Mehr über seine Familie wollten die Zuschauer hören. Kaminer tat ihnen den Gefallen. Auch über sich selbst konnte der Literat locker lästern. „Mein Leben im Schrebergarten, ein Riesenerfolg“, meinte er. Er habe seinen Garten nicht behalten dürfen, weil der Vereinsvorstand „nicht mit meiner spontanen Vegetation einverstanden war.“ Jetzt habe er ein neues Grundstück, „wo jeder spontan vegetieren kann.“

Das Publikum amüsierte sich köstlich und belohnte den Berliner mit tosendem Applaus. Pia Belitz und Sophie Wagner (beide 24) fanden Kaminer „sehr sympathisch, weil er so schön spontan ist und gern improvisiert. Seine Kurzgeschichten sind lustig und abwechslungsreich.“

 

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