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Poetry Slam : Sieg mit „Hirn-Demontage auf allen Sendern“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sieben Jugendliche präsentierten beim ersten Poetry-Slam dieser Saison in der Stadthalle ihre selbstverfassten Texte.

Neumünster | Gewitzt, gemein, gereimt: So präsentierten sieben Jugendliche beim ersten Poetry-Slam dieser Saison am Dienstagabend in der Stadthalle ihre selbstverfassten Texte. 100 Besucher verfolgten auf der Theaterbühne sitzend den modernen Dichterwettstreit der Unter-20-Jährigen, die maximal sechs Minuten Zeit hatten, ihre Textkompositionen ohne Requisiten vorzutragen.

Die Themen waren vielfältig, und die Jugendlichen bewiesen wieder einmal Kreativität im Umgang mit der Sprache. Der erfahrene „Slammer“ Jan Windisch (20) aus Boostedt bearbeitete etwa Liebeserfahrungen mit Versatzstücken aus Märchen. Er sprach von „Augen, rot wie Blut, Lippen, weiß wie Schnee und die Lunge schwarz wie Ebenholz“. Sein Faible für Poetry Slams begründete der Holstenschüler so: „Ich verarbeite künstlerisch, was ich erlebt habe. Beim Auftritt auf der Bühne öffne ich mich und zeige etwas von mir. Diese Authentizität macht sowohl den Reiz als auch die Aufregung aus, denn möglicherweise sitzt ja jemand, über den ich spreche, im Publikum.“

Der Kieler Paul Lennart Vollmers (20) zog satirisch über das Fernsehen her und stellte „Hirn-Demontage auf allen Sendern“ fest oder kritisierte das „Storchbeinchendickicht“ in der Welt der Fotomodelle. Der Medizinstudent schätzt an den Wettbewerben „vor allem die Vielfalt der Themen. Der Input ist enorm und regt mich zum Schreiben an. Mein Output ist weniger enorm: Ich bin sehr selbstkritisch und feile bisweilen Monate an einem Text“, sagte er.

Mit Erfolg: Paul Lennart Vollmers ist Poetry-Slam-Vizegewinner in Schleswig-Holstein und überzeugte auch in der Stadthalle das Publikum. Das entschied mit seinem Applaus und durch Punktevergabe von eins bis zehn, wer gewinnt. Zehn Punkte sollte die Publikumsjury einem Künstler geben, den – so der amüsante Moderator Michel Kühn – „ihr mit nach Hause nehmen und in einen Schrank stellen wollt und immer, wenn ihr Lust auf Lyrik habt, herausholen könnt“. Doch nicht nur die Meinung des Publikums zählt, meinte Jan Windisch: „Die Rückmeldung der anderen Künstler ist mir wichtig. Man kennt sich mittlerweile untereinander durch die Reisen quer durch Norddeutschland zu den Wettbewerben. Die Gemeinschaft ist auch ein Grund, weshalb ich diese Veranstaltungen mag.“

Auch das Publikum war begeistert. Madelene Pries (28) aus Neumünster war das erste Mal bei einem Slam: „Meine ehemalige Deutschlehrerin der Elly-Heuss-Knapp-Schule hat mich gefragt, ob ich mitkommen möchte. Ich werde öfter kommen.“

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erstellt am 20.Nov.2014 | 05:00 Uhr

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