Ehemalige Eichendorff-Schüler : Sie mussten Vorbild für die Arbeitermädchen der AEG sein

50 Jahre nach ihrem Schulabschluss trafen sich die ehemaligen Eichendorff-Schülerinnen erneut zu einem Klassentreffen.
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50 Jahre nach ihrem Schulabschluss trafen sich die ehemaligen Eichendorff-Schülerinnen erneut zu einem Klassentreffen.

15 Damen kamen im Stadthallen-Restaurant zu einem Klassentreffen zusammen – nach stolzen 50 Jahren.

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13. Mai 2015, 07:00 Uhr

Neumünster | Als sie die Eichendorff-Schule in Neumünster besuchten, gab es noch eine trennende Milchglasscheibe zur benachbarten Freiherr-vom-Stein-Schule. Schließlich war die Eichendorff-Schule eine reine Mädchenschule, und damit es zu keiner frühkindlichen Ablenkung kommen sollte, gab es eben diese Scheibe. Daran erinnerten sich alle 15 Damen, die sich in der heutigen Stein-Schule und dann im Stadthallen-Restaurant zu ihrem Klassentreffen trafen – nach stolzen 50 Jahren.

Da aber das Mittelgebäude damals von beiden Schulen für Physik, Chemie und Küche genutzt wurde, kam es doch zu einigen Begegnungen. „Auch mancher Flirt wurde in den oberen Klassen ausgetragen, und am Fahrradständer gab es immer konkrete Verabredungen“, erinnerte sich Uschi Gerdes, die das Treffen organisiert hatte. Es gab sogar eine Anweisung von Direktorin Marie-Luise Kobs, meinten die Damen, dass auf dem Schulweg vor dem AEG-Gebäude die Jungen und Mädchen nicht etwa Hand in Hand zu gehen hätten, weil das die „Arbeitermädchen in der Fabrik“ verunsichern und / oder stören könnte. Absolut einig, auch nach 50 Jahren, waren sich die Damen: „Den Lehrer Herrn Klotz – den haben wir gemobbt.“

Das Treffen eröffnete Olaf Hubert, der kommissarische Rektor der Stein-Schule, mit einem Rundgang durch die heutige Gemeinschaftsschule. Zur Erheiterung der Damen hatte er sogar ihre alten Schulunterlagen herausgesucht und verweis auf Prüfungsaufgaben, etwa zu Shakespeare. Beim Rundgang durch die moderne Schule kam ihnen aber ins Bewusstsein, dass sie in den 60er-Jahren, alle 35 Mädchen einer Klasse, in einem 45 Quadratmeter großen Raum saßen. Im Restaurant gab es dann natürlich noch viel zu erzählen über die Schulzeit, die Lebenswege und auch über Aktuelles, denn aus den Mädchen der Eichendorff-Schule wurden erfolgreiche Unternehmerinnen, Lehrerinnen, eine Ärztin und eine Kriminalkommissarin.

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