Sie helfen im Bürokratie-Dschungel

Sie helfen beim Kampf mit den Papieren: Ämterlotsenkoordinator Uwe Dorendorf (links) und Klaus-Dieter Didwidschus. Foto: hc
Sie helfen beim Kampf mit den Papieren: Ämterlotsenkoordinator Uwe Dorendorf (links) und Klaus-Dieter Didwidschus. Foto: hc

Seit fünf Jahren gibt es die ehrenamtlichen Ämterlotsen der Diakonie / Sie unterstützen bei Behördengängen und Anträgen

Avatar_shz von
01. Juni 2013, 03:59 Uhr

Neumünster | Einen ganzen Umzugskarton voller ungeöffneter Briefe hat Ämterlotse Klaus-Dieter Didwidschus mal mit einer verzweifelten Neumünsteranerin gemeinsam sortiert. Mit jedem Brief war eine Geschichte verbunden, für die der 57-Jährige ein offenes Ohr hatte. Ein Extremfall, aber der Pensionär verbringt regelmäßig seine Zeit damit, tütenweise Mahnungen und Behördenpost fremder Menschen zu ordnen. Denn Klaus-Dieter Didwidschus ist Ämterlotse der Diakonie Altholstein in Neumünster. Seit fünf Jahren gibt es die ehrenamtlichen Helfer in der Stadt - und Klaus-Dieter Didwidschus ist von Anfang an dabei.

Sechs weitere Männer und Frauen sowie Koordinator Uwe Dorendorf sind zweimal in der Woche in ihrem Büro am Alten Kirchhof 2 ansprechbar für alle, die tatkräftige Unterstützung brauchen. Die Ämterlotsen helfen dabei, Anträge auszufüllen, sie suchen die richtigen Ansprechpartner bei den Ämtern heraus und begleiten die Ratsuchenden zu den Terminen. "Wenn wir dabei sind, reißen sich beide Seiten mehr zusammen", beschreibt Koordinator Uwe Dorendorf die beschwichtigende Wirkung der Ämterlotsenbegleitung. Oft hat sich im Vorwege viel Frust und Ärger bei enttäuschten Antragsstellern angesammelt. Die ehrenamtlichen Helfer bemühen sich, diesen Frust mit Verständnis für beide Seiten aufzufangen.

"Viele unserer Ämterlotsen haben früher selbst auf der anderen Seite des Schreibtisches in der Verwaltung gesessen. Es ist eine Menge Fachwissen vorhanden", lobt Dorendorf sein Team. Auch das Jobcenter, das Gesundheitsamt und die Sozialen Dienste der Stadt pflegen den Kontakt zu den Ämterlotsen und informieren die Freiwilligen über neue Regelungen. "Unsere Vermittlung kommt beiden Seiten zugute", ist sich Dorendorf sicher.

Ämterlotsenpionier Didwidschus hat eine ganz spezielle "Kundengruppe": Er wird regelmäßig in Alten- und Pflegeheime eingeladen, um bei Anträgen an Krankenkassen und Beamtenbeihilfe zu helfen. Als ehemaliger Personaloffizier der Bundeswehr kennt er sich auf diesem Gebiet gut aus. Viel wird seine Hilfe auch von Ratsuchenden in Anspruch genommen, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind. "Die Fragen in den Formularen sind ja so schon kaum zu verstehen, kein Wunder, wenn es da zu Missverständnissen kommt", bekräftigt Didwidschus.

Aus diesem Grund wünscht sich Koordinator Dorendorf auch Ämterlotsen mit Türkisch- oder Russischkenntnissen. Wer sich für das Ehrenamt interessiert, hat zunächst die Möglichkeit, aktiven Ämterlotsen über die Schulter zu gucken. Danach gibt es eine 20-stündige Schulung beim Landesverband der Diakonie. Doch auch danach steht keiner allein da: "Wenn es später in der Begleitung mal Fragen gibt, helfen wir uns untereinander oder wenden uns an die Kollegen der Fachberatungsstellen bei der Diakonie", betont Uwe Dorendorf.

Zwischen Kiel und Kaltenkirchen ist er mittlerweile für 40 Ämterlotsen im Kirchenkreis Altholstein zuständig. "Eine beeindruckende Truppe" sei das, findet der Koordinator. Die Unterstützung ist kostenlos, finanziert wird das Projekt zum großen Teil aus Spenden. Die Ämterlotsen sind in Neumünster jeweils dienstags von 9 bis 12 Uhr sowie 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 15 bis 18 Uhr in ihrem Büro Am Alten Kirchhof 2, Tel. 25 27 10 25. Weitere Informationen gibt es auf www.diakonie-altholstein.de.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen