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Dienst an Heiligabend : Sie arbeiten, wenn alle anderen feiern

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Viele Neumünsteraner schieben morgen Dienst, statt gemeinsam mit ihrer Familie unter dem Weihnachtsbaum zu sitzen. Der Courier stellt exemplarisch vier von ihnen näher vor.

Neumünster | Wenn morgen Abend in der ganzen Stadt die Familien unter dem Weihnachtsbaum sitzen, gemeinsam essen und Geschenke auspacken, können zahlreiche Neumünsteraner nicht bei ihren Liebsten sein. Denn für viele Menschen ist der Heilige Abend ein normaler Arbeitstag. Der Courier stellt vier von ihnen vor.

Lukas Schnitzler aus Tungendorf hat morgen eine wahre Mammut-Schicht vor sich. Der Feuerwehrmann ist von 7 bis 7 Uhr im Gefahrenabwehrzentrum an der Färberstraße im Einsatz. Für den 28-Jährigen ist es bereits der dritte Heiligabend, den er auf der Wache der Berufsfeuerwehr verbringt. „Wir können uns anhand der Dienstpläne schon für Jahre im Voraus ausrechnen, wann wir dran sind. Von daher konnte ich mich gut darauf einstellen“, sagt Schnitzler.

Ein bisschen wehmütig wird er allerdings doch, wenn er an seinen kleinen Sohn denkt: „Paul ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Es ist das erste Mal, dass er Weihnachten so richtig realisiert, daher wäre es natürlich schön gewesen, bei ihm zu sein. Aber das habe ich bei meiner Berufswahl gewusst, daher ärgere ich mich nicht.“ Auch seine Frau Stefanie reagiere verständnisvoll. „Sie arbeitet auch im Schichtdienst und weiß daher, dass man sich das nicht aussuchen kann“, sagt Schnitzler.

Sein Arbeitstag beginnt morgen um 7 Uhr mit der Fahrzeug-Übernahme, danach darf er sich die Zeit auf der Wache frei einteilen – natürlich nur, so lange es keine Einsätze gibt. Zusammen mit den Kollegen wird dann auch für ein bisschen Weihnachtsstimmung gesorgt. „Wir haben uns im Aufenthaltsraum einen Tannenbaum aufgestellt und bestellen uns abends Krustenbraten. Danach wird ferngesehen, geschlafen oder am Kickertisch gespielt“, erzählt er.

Den 1. Weihnachtstag will Lukas Schnitzler nutzen, um den Heiligen Abend „nachzufeiern“: „Die Eltern meiner Frau kommen zu uns, und dann wird gegessen und Bescherung gemacht – quasi alles einen Tag zeitversetzt.“ Viel Zeit zur Erholung bleibt ihm allerdings nicht – am 2. Weihnachtstag steht bereits die nächste Schicht auf der Wache an.

Auch Monique Schramm aus der Innenstadt hat an den Feiertagen ein volles Programm. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) tritt morgen um 13.30 Uhr ihren Spätdienst auf der Überwachungsstation an und muss auch am Sonntag arbeiten. Auf der Station 30/31 liegen derzeit rund 25 Patienten, die unter strenger Beobachtung stehen und an den Feiertagen nicht nach Hause dürfen. Für die 25-Jährige ist der Dienst am Heiligen Abend ein ganz besonderer: „Das ist natürlich kein Tag wie jeder andere. Am Morgen ist die Situation noch relativ normal, aber im Verlauf des Nachmittags ändert sich die Stimmung. Dann beruhigt sich alles“, sagt sie. Bis 20 oder 21 Uhr dürfen die Angehörigen die Patienten auf Station besuchen. „Besonders dann, wenn Kinder mitkommen, ist das natürlich schön“, sagt sie.

Damit trotz Arbeit Weihnachtsstimmung aufkommt, wird die Station dekoriert; das Personal trägt rote Mützen. Abends wird gemeinsam gegessen. „Man versucht schon, es sich weihnachtlich zu machen“, sagt Monique Schramm, die bereits zum vierten Mal Weihnachten im Krankenhaus verbringt: „Das ist kein Problem für mich. Wenn man die Ausbildung antritt, weiß man, dass das dazugehört.“

Genauso sieht es auch Josef Schmikowski aus der Gartenstadt. Der 53-Jährige arbeitet seit 2009 als Busfahrer bei den Stadtwerken und hat schon viele Weihnachtsfeiertage am Steuer verbracht. Morgen ist er von 8.30 bis 17.30 Uhr auf verschiedenen Strecken in der Stadt unterwegs. „Im Grunde genommen ist es für mich ein Tag wie jeder andere“, sagt Schmikowski, der gerne dafür sorgt, dass seine Kollegen mit Kindern verschont bleiben: „Ich finde es nur fair, dass die Familienväter an Heiligabend bei ihren Kindern sind. Die sollen zu Hause bleiben, wenn die Planung das hergibt.“

Schmikowski selbst wird die Bescherung mit seiner Verlobten und deren Tochter zeitlich ein wenig nach hinten verschieben. „Wenn ich nach Hause komme, wird gegessen, und dann würfeln wir um die Geschenke“, sagt er. Den Dienst an Heiligabend betrachtet er als angenehm. „Wenn die Geschäfte schließen und das Turmblasen zu Ende ist, dann kehrt langsam Ruhe ein. Häufig habe ich dann noch Stammgäste im Bus, die oftmals auch ein paar Süßigkeiten für mich dabei haben, darüber freue ich mich natürlich sehr“, sagt er.

Wenn Josef Schmikowski zu Hause ist, geht für Viviane Thien aus der Gartenstadt die Arbeit erst los. Sie ist ab 21 Uhr als Servicekraft im Postkeller im Einsatz. „Wenn die Bescherung vorbei ist und alle gegessen haben, dann wird es bei uns richtig voll“, sagt die 20-Jährige, die dem Weihnachtsfest nicht viel abgewinnen kann. „Ich habe mich freiwillig bereit erklärt, zu arbeiten“, sagt sie und fügt hinzu: „Es ist in der Gastronomie ja sowieso der Fall, dass man arbeitet, wenn andere Feierabend haben. Aber das ist mit netten Kollegen und Gästen sehr gut zu ertragen.“

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erstellt am 23.Dez.2016 | 08:15 Uhr

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