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Neue Tunnel : Sicherer Schnellweg für Erdkröte & Co.

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Für 140 000 Euro lässt die Stadt acht Krötentunnel in den Prehnsfelder Weg einbauen. Der Umweltausgleich soll Massensterben verhindern.

Neumünster | Die Stadt zeigt Herz für Neumünsters größte Erdkröten-Kolonie am Hahnknüll: Damit die kleinen Amphibien auf ihrem jährlichen Weg zu ihren angestammten Laichgewässern im Tierpark nicht länger platt gefahren werden, lässt die Stadt den Prehnsfelder Weg untertunneln. Auf einer 400 Meter langen Strecke vor der Zufahrt Hahnknüll werden derzeit insgesamt acht Krötentunnel eingebaut, die den Erdkröten, aber auch Grasfrosch, Wasserfrosch und und Teichmolch eine gefahrlose Unterquerung der Straße ermöglichen sollen. Seit einer Woche sind Bauarbeiter vor Ort, um die bis zu 300 Kilo schweren Tunnelelemente in die Straße einzulassen.

Der Prehnsfelder Weg ist dafür voraussichtlich noch bis zum 4. Dezember voll gesperrt. Besucher des DRK-Krankenhauses und andere Anlieger am Hahnknüll müssen bis auf Weiteres auf die Umleitung über die Geerdtsstraße ausweichen. Die Busse der Linie 16 können die Haltestellen stadteinwärts nur mit erheblicher Verspätung bedienen.

Auch für Fußgänger ist die Baustelle nicht passierbar: Um die vorgefertigten Tunnelröhren sicher zu verankern, müssen die Straße inklusive Fußweg und der Knick auf ein Meter Breite geöffnet werden. Die fertigen Röhrenelemente aus Spezialbeton haben auf der Oberseite Öffnungen, sie werden die Asphaltdecke künftig wie eine überdimensionierte Regenrinne unterbrechen. Die „Lüftungen“ sind nötig, damit die Tunnel möglichst auf Dauer feucht bleiben und von den Kröten auch angenommen werden, erklärte gestern Thomas Zang vom Fachdienst Grünflächen. Für die Kröten unüberwindbare Leitwände auf beiden Straßenseiten sollen sicherstellen, dass die Amphibien auch die Zugänge zu den Tunneln finden.

Auf den Wiesen rund um den Hahnknüll ist Neumünsters größte Erdkröten-Population zuhause. Alle Jahre wieder machen sich die Amphibien im Frühjahr auf den Weg zu ihren Laichgewässern im Tierpark. Seit 2005 bemühen sich die Untere Naturschutzbehörde und freiwillige Helfer vom Naturschutzbund, die Erdkröten mit Hilfe von Zäunen einzufangen und eimerweise über die Straße zu transportieren. Dennoch fielen die Tiere immer wieder massenweise dem Autoverkehr zum Opfer.

Der rund 140 000 Euro teure Einbau der Tunnel soll das Massensterben verhindern. Er ist Teil der Ausgleichsmaßnahmen, die die Stadt für das neue Gewerbegebiet Eichhofpark an der Autobahnzufahrt Neumünster-Nord schaffen muss. Dazu sollen auch rund 145  000 Quadratmeter Wiesen und Äcker nördlich und südlich des Prehnsfelder Weges aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen werden. Die Planer wollen die Flächen in extensiv genutzte Wiesen umwandeln und mehrere kleine Tümpel anlegen.

Weitere Ausgleichsflächen von rund 6,6 und 6,9 Hektar sollen am Stover sowie neben dem neu entstehenden Gewerbegebiet südlich des verlegten Eichhofwegs ausgewiesen werden.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 07:30 Uhr

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