Pädophiler Rentner : Sextäter hat seine Haftstrafe abgesessen

Beim Berufungsprozess im  Kieler Landgericht verbarg der Mann sein Gesicht hinter einem Aktenordner.
Beim Berufungsprozess im Kieler Landgericht verbarg der Mann sein Gesicht hinter einem Aktenordner.

Sexualstraftäter (73) aus Neumünster hat seine achtmonatige Haftstrafe vollständig verbüßt und ist jetzt unter Auflagen wieder auf freiem Fuß.

23-12990414_23-55968518_1382712333.JPG von
22. Juli 2014, 05:30 Uhr

Neumünster | Der pädophile Sexualstraftäter (73) aus Neumünster  hat seine achtmonatige Haftstrafe vollständig verbüßt und ist jetzt wieder auf freiem Fuß. Er ist wieder in seine alte Wohnung gezogen.

Der Mann war  1999 wegen sexuellen Missbrauchs eines Jungen in 99 Fällen bereits zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt worden.  Nach seiner Entlassung war er nach Neumünster gezogen. Vor zwei Jahren hatte er sich trotz richterlichen Verbots Mädchen und Jungen in den Teichuferanlagen und auf einem Spielplatz sowie an der Ehndorfer Straße genähert und sie angesprochen. Wegen dieses Verstoßes gegen die Weisungen der Führungsaufsicht war der Mann vom Amtsgericht zu vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. In  einer Berufungsverhandlung hatte das Landgericht die Strafe sogar auf acht Monate verdoppelt (der Courier berichtete). 

„Wir wissen als Polizei um seine Entlassung – auch, wo er sich aufhält. Wir sind sensibel und fahren Streife in dem Bereich“, sagte Polizeisprecher Sönke Hinrichs auf Courier-Nachfrage. Anders als 2013 sei eine polizeiliche Überwachung oder Observation aber nicht angeordnet, so Hinrichs. Die Polizei sei jedoch sehr eng vernetzt mit der Führungsaufsichtsstelle des Kieler Landgerichts. „Wenn es Verstöße gibt, werden wir informiert und würden natürlich sofort einschreiten“, sagte Sönke Hinrichs: „Wir sind nah dran, aber im Moment gibt es nichts zu berichten.“

„Derzeit ist der Mann nicht auffällig“, erklärte Richterin Rebekka Kleine vom Landgericht auf Nachfrage. Die Führungsaufsicht würde jedoch bei „Verstößen aktiv werden und  prüfen, ob ein Strafantrag zu stellen ist“, sagte sie. Nach Verbüßung der achtmonatigen Haftstrafe seien jetzt die alten Auflagen wieder aktiviert. Der einschlägig vorbestrafte Rentner darf keinen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen und muss den Kontakt zu seinem Bewährungshelfer halten. Außerdem muss er eine elektronische Fußfessel zur Überwachung seines Aufenthaltsortes tragen.

Nach Courier-Informationen ist der Rentner beim „Kieler Sicherheitskonzept Sexualstraftäter“ erfasst, das auch eine Gefahrenanalyse erstellt hat. Der Mann gilt als „narzistisch gestörte Persönlichkeit“, von der nach Ansicht der Gutachter aber keine direkte öffentliche Gefahr ausgeht. So könnte er die Verstöße gegen die Auflagen ganz bewusst vor den Augen der observierenden Polizisten gemacht haben, da er sich ungerecht behandelt fühlte. Ein Angebot für eine Therapie soll der Rentner abgelehnt haben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen