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Neumünster : Sexangebot war nur Missverständnis

vom

Laut Anklage soll ein 26-Jähriger ein Mädchen in einem Park in Neumünster verfolgt und ihr Sex angeboten haben. Das Jugendgericht sprach den Mann aber frei.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 12:18 Uhr

Neumünster | Unbeherrschte unflätige Flüche in aller Öffentlichkeit können schnell ins Auge gehen. Diese Erfahrung musste jetzt ein 26-jähriger Mann aus Neumünster machen. Erst nach gut zweistündiger Verhandlung sprach das Jugendgericht den Mann vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs frei. Sein Glück: Auch die Anklage sah die Vorwürfe zuletzt als nicht eindeutig erwiesen an.
Die waren nicht ohne: Der Anklage schrift zufolge sollte der junge Mann im März vergangenen Jahres ein 13-jähriges Mädchen mit dem Fahrrad im Falderapark verfolgt und ihm eindeutige Sexangebote gemacht haben. Das Mädchen war geschockt geflüchtet und hatte den Vorfall heulend ihrer Mutter geschildert. Die schaltete postwendend die Polizei ein. Eine Streife stoppte den Mann noch auf dem Heimweg vom Park.

Wüste Flucherei mit Schmutzvokabeln


Vom Gericht mit den Vorwürfen konfrontiert, klangen seine Einlassungen zunächst wie eine wild konstruierte Ausrede: Der Radtour durch den Park sei ein Streit mit seiner Mutter über seine bevorstehende Hochzeit vorangegangen, berichtete der Mann. Innerlich noch immer geladen, habe er auf dem Weg im Park plötzlich seinen Schlüsselbund vermisst - und das wohl auch laut fluchend kundgetan, räumte der Mann ein. Das vermeintliche Opfer, dass ihm in diesem Moment entgegenkam, müsse ihn gründlich missverstanden haben. Die Crux: In die wüste Flucherei hatte der aufgebrachte Mann nach eigenen Angaben auch Schmutzvokabeln mit eindeutig sexuellem Bezug eingeflochten.
Die schwer zu beantwortende Frage für die Juristen: Ist es vorstellbar, dass das Mädchen das unflätige Gemurmel des Mannes in der Aufregung tatsächlich nur falsch interpretiert hat? Nach der Befragung des Mädchens unter Ausschluss der Öffentlichkeit mochten Richter und Staatsanwältin das zumindest nicht ausschließen. Zu sehr verwickelte sich die heute 15-Jährige in Widersprüche, was den Ablauf der angeblichen Sex-Anmache betraf.

"Zeugin hat uns nicht bewusst belogen"


Die Vertreterin der Anklage zog daraus den folgerichtigen Schluss und plädierte auf Freispruch, weil die These vom bloßen Missverständnis nicht mit der erforderlichen Sicherheit auszuschließen sei. Der Verteidiger schloss sich dem weitgehend an.
Auch die 15-Jährige und deren Mutter konnten den Gerichtssaal trotz des Freispruchs aber mit erhobenem Haupt verlassen. "Wir gehen nicht davon aus, dass uns die Zeugin bewusst belogen hat", bescheinigte die Richterin dem Mädchen. Dem Freigesprochenen riet sie für künftige Fälle zu einer bedächtigeren Wortwahl.
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