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Musikprojekt : Senioren trommeln sich glücklich

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der älteste Teilnehmer einer ganz besonderen Gruppe der Musikschule ist 90 / Das fördert die Konzentration und Koordination

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2015 | 08:45 Uhr

Neumünster | Die Woche fängt mit Trommeln an: Montags um 10 Uhr trifft sich seit fünf Jahren eine schlagkräftige Truppe. Sechs Senioren trommeln unter Leitung von Thies Thode in der Musikschule, was die Congas halten. Sie nennen sich augenzwinkernd „Groovies“ und sind auch schon bei diversen Veranstaltungen aufgetreten. „Das entstand als Mischung von Groove und Grufties“, sagen sie lachend.

Mit 50, 60 oder sogar 90 Jahren wild herumtrommeln – warum nicht? Bei einem Tag der offenen Tür der Musikschule trat Thies Thode, Percussionist und Schlagwerker und seit zehn Jahren Dozent, mit seiner Samba-Gruppe auf. Da sprach ihn Fridgard Paetow, damals 79, an: Wäre es nicht auch möglich, eine Trommelgruppe für ältere Menschen anzubieten? Der 43-jährige Trommelexperte sagte, dass mindestens fünf Leute dabei sein müssten – und die aktive Seniorin lockte weitere vier Leute.

Warum trommeln? „Das ist so schön, ich mache das aus Spaß an der Freude. Das geht so in den Körper, macht munter“, strahlt Fridgard Paetow (84) – und das sieht man der jung gebliebenen Seniorin, die Mitglied von Art & Vielfalt ist, auch an. „Trommeln macht glücklich, setzt positive Energie frei, es ist brachial“, sagt Brigitte Wienk-Jankowiak (56) aus Bornhöved, die als Ergotherapeutin arbeitet.

„Man muss sich aber auch konzentrieren“, sagt Wiebke Andersen-Schneede (50), Sozialpädagogin bei der Brücke Schleswig-Holstein. Außerdem verbinden sich beim Trommeln durch die Auge-Kopf-Hand-Koordination diverse Synapsen im Gehirn, erläutert sie. Thies Thode lacht: „Wenn wir etwas Neues ausprobieren, sehe ich sozusagen die Denkzellen qualmen.“

Zur Gruppe gehören außerdem Gerda Kohl (72) aus Neumünster und Oswald Feix (71) aus Kleinkummerfeld. Ältester ist Gerhard Scheurich, 90 Jahre jung und seit 25 Jahren Mitglied der Courier-Seniorenredaktion. „Ich habe zehn Jahre lang bei der Seniorensteptanz-Gruppe der Ballettschule Jungclaus mitgetanzt, dann bekam ich ein künstliches Hüftgelenk. Trommeln ist wie Steppen mit den Händen. Wenn etwas Neues klappt, dann nimmt mich das so plötzlich mit, das ist ein kurzer Moment des Hochgefühls“, sagt er.

Getrommelt wird auf Congas, aber auch Djembe- oder Ndundun-Trommeln; Thies Thode mischt Rhythmen aus Kuba, Afrika oder Arabien und hat „unfassbar viel Spaß“ mit seiner Truppe. „Trommeln macht frei, man kann so herrlich abschalten. Das hat etwas Erdiges, es geht in den Bauch“, sagt Thies Thode.

Er ist sichtlich entzückt vom Groove seiner Gruppe: „Wenn ich merke, wie das bei ihren klappt, freue ich mich auf mein Alter, wenn ich hoffentlich auch so fit bin wie sie.“

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