Haus der Caritas : Senioren sind als Zeitzeugen gefragt

Cornelia Mohr (links) von der Seniorenbegegnungsstätte, Dr. Alfred Heggen und Gabriele Semrau, die Leiterin vom Haus der Caritas, hoffen, dass der Gesprächskreis auf Interesse stößt.
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Cornelia Mohr (links) von der Seniorenbegegnungsstätte, Dr. Alfred Heggen und Gabriele Semrau, die Leiterin vom Haus der Caritas, hoffen, dass der Gesprächskreis auf Interesse stößt.

Gesprächskreis Stadtgeschichte startet am 10. Februar

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16. Januar 2015, 07:30 Uhr

Neumünster | Der Historiker Dr. Alfred Heggen hofft, dass erlebte Geschichte zu erzählten Geschichten wird. Senioren sind eingeladen, in der Begegnungsstätte der Caritas an der Linienstraße 1 am Gesprächskreis Stadtgeschichte Neumünster teilzunehmen.

Er trifft sich erstmals am 10. Februar von 15 bis 17 Uhr und dann jeweils an den folgenden Dienstagen, 10. März, 14, April, 5. Mai, 9. Juni und 14. Juli. Die Kosten je Nachmittag inklusive Kaffee und Kuchen betragen 2 Euro. Eine Anmeldung wird unter Tel. 14966 erbeten. „Das Ganze soll keinen Volkshochschul-Charakter bekommen. Nicht der Lehrer vorne erzählt, die Senioren sollen im Gesprächskreis ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten“, sagt der ehemalige Schulleiter Heggen. Er hofft, von den Zeitzeugenberichten, vielleicht auch alten Broschüren und Fotos profitieren zu können.

Und er hat selbst einige Fotos dabei. Gemacht hat die Aufnahmen der katholische Monsignore Wilhelm Tebbel – heimlich durch das Knopfloch seines Mantels. Die Fotos zeigen die Zerstörungen in Neumünster nach den alliierten Bombenangriffen im April 1945. „Das war streng verboten“, so Heggen.

Er hofft, die Negative im Kirchenarchiv aufstöbern zu können. Und er möchte mit solchen Aufnahmen zum Gespräch anregen. „Über die Kriegszeit, die Zeit des Wiederaufbaus, die Aufnahme als Flüchtling in Neumünster“, sagt Alfred Heggen. Einige schriftliche Erinnerungen an das Kriegsende in Neumünster hat Heggen gefunden, etwa von Rudolf Tonner oder von Karl Barlach, dem Vetter des bekannten Bildhauers Ernst Barlach. Solche Schilderungen gibt es nur von Zeitzeugen, nicht in der Sekundärliteratur. „Den Schwerpunkt möchte ich aber auf die 50er- und 60er-Jahre legen“, sagt Heggen. Im Landesarchiv fand er mit dem Film „Ventile auf“ ein weiteres Schätzchen. Der Kino-Vorfilm zeigt 1950 den Wiederaufbau der Industrie in der Stadt.

Gabriele Semrau vom Haus der Caritas würde sich wünschen, wenn aus diesem zunächst auf sechs Termine ausgelegten Projekt eine feste Gruppe entsteht. Ähnliches glückte der Caritas schon mit ihrem Migranten-Projekt, dem Marktfrühstück oder der Bewegungsgruppe. Und eins macht Gabriele Semrau klar: „Wir sind ein katholischer Wohlfahrtsverband, aber offen für alle Menschen und Konfessionen.“ 

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