Senioren entdecken das Internet

Generationenübergreifender Spaß:   Lukas Wendt (17), Schüler der IGS Brachenfeld, brachte Waltraud  Kosanke (70) die ersten  Schritte  im Internet   bei.  Foto: Moritzen
Generationenübergreifender Spaß: Lukas Wendt (17), Schüler der IGS Brachenfeld, brachte Waltraud Kosanke (70) die ersten Schritte im Internet bei. Foto: Moritzen

Der Media-Bus machte gestern am Haus Berlin Station / Mit Schülern der IGS Brachenfeld surften viele ältere Menschen im Netz

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01. April 2011, 08:25 Uhr

Neumünster | "Ich habe mir den Fahrplan von der Bahn angeschaut und Termine von Museen. Außerdem habe ich mich über Schiffsfahrten informiert." Waltraud Kosanke (70) hat gestern das erste Mal überhaupt ins Internet geschaut. Mit Hilfe von Lukas Wendt (17), Schüler der IGS Brachenfeld, bewegte die Seniorin das erste Mal die Maus. "Es ging gleich richtig los. Ich wurde freudig empfangen. Alle waren so nett", erzählt die Rentnerin strahlend. Sie möchte sich jetzt auf jeden Fall einen Internetanschluss zulegen.

Nachdem sie von der Aktion im Courier gelesen hatte, war sie extra aus Ehndorf zum Seniorenheim Haus Berlin gekommen. Denn dort wartete gestern von 10 bis 18 Uhr der so genannte Media-Bus. In dem Bus sind zehn Computerarbeitsplätze untergebracht. Draußen gibt es unter einem Pavillon drei ebenerdige PC-Tische für Rollstuhlfahrer. Der rollende Schulungsraum, der auf Anfrage des Hauses Berlin jetzt erstmals nach Neumünster kam, ist im Auftrag der Initiative "Internet erfahren" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie bundesweit unterwegs. Unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Digitale Chancen, die sich besonders für die Arbeit mit Senioren einsetzt.

Zwei Mitarbeiter des Ausbildungszentrums ÜAZ aus Waren (Mecklenburg) waren ebenso wie 20 Schüler der IGS Brachenfeld gestern an Bord des Busses, um zahlreichen Senioren die ersten Schritte im Internet zu erleichtern. Die jungen Leute waren ebenfalls vom Haus Berlin eingeladen worden und hatten nach einer Anfrage ihres Schulleiters sofort zugesagt.

"Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Die Senioren waren total interessiert und haben sich über alle kleinen Erfolge gefreut", berichtet Schüler Lukas Wendt, nachdem er einen Vormittag lang mehreren älteren Leuten geholfen hatte. Besonders fasziniert hatte ihn, dass er mit einigen Senioren via Internet quasi einen Ausflug in die Vergangenen machen konnte. "Einer hat im Internet ein Marineboot wieder entdeckt, auf dem er mal gefahren ist", so der Schüler. Lore Moor (90), die extra aus dem Ansgarstift gekommen war, stellt klar: "Man muss vorwärts gehen, darf nicht stehen bleiben."

So sieht es auch Jürgen Büstrin, Geschäftsführer des Hauses Berlin. Er weiß: "Wenn die Berührungsängste erst einmal überwunden sind, bedeutet das Internet für viele Senioren ein großes Stück Unabhängigkeit. Sie können damit wieder selbstständig Einkäufe erledigen, problemlos Kontakte zu Familie und Freunden halten und Informationen sammeln", sagt er. Innerhalb dieses Jahres möchte er deshalb ein Internet-Café im Haus einrichten. Unterstützt und beraten wird er dabei von der Stiftung Digitale Chancen. Mitarbeiter des Hauses Berlin sollen eigens für das neue Angebot geschult werden, um jederzeit hilfreich zur Seite stehen zu können. Geplant ist außerdem, Internet-Zugänge auf den Zimmern einzurichten.

"Bei den Über-70-Jährigen ist die Nachfrage nicht so groß, solange die Hemmschwellen nicht genommen werden. Doch bei vielen unwesentlich jüngeren Senioren sieht das schon anders aus. Sie schätzen gerade dann, wenn sie nicht mehr mal eben von A nach B fahren können, die Chancen des Internets und wollen darauf im Alltag nicht verzichten - auch nicht im Seniorenheim", erklärt Sven Weber von der Stiftung Digitale Chancen.

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