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Gerichtsbericht : Seltsamer Hundeverkauf vor Gericht

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Chihuahua-Welpe hatte weder einen korrekten Impfpass noch einen Herkunftsnachweis. Die Verkäuferin des Tieres stand jetzt vor Gericht .

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erstellt am 18.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Neumünster | Woher der kleine Hund stammte, blieb im Prozess ebenso unklar wie die Herkunft eines ominösen Kaufvertrags und die Manipulation am Impfpass des kleinen Welpens. Eine höchst ungewöhnliche Geschichte, die für den acht Wochen alten Rüden Chico letztendlich tödlich endete, wurde jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt. Denn eine Station seines kurzen Lebens führte nach Neumünster. Hier wurde er ein letztes Mal verkauft.

Auf der Anklagebank saß eine junge Frau (19). Sie hatte den Hund Mitte Oktober vergangenen Jahres beim Internetportal Ebay für 300 Euro als Chihuahua-Welpen angeboten. Daraufhin hatte sich ein junges Paar aus einer Nachbargemeinde gemeldet. „Ich wollte einen reinrassigen Chihuahua“, erklärte die Zeugin (39). Deshalb war sie mit ihrem Lebensgefährten (34) an dem Sonntag nach Neumünster gefahren. Zwar sah der Welpe einem Chihuahua-Baby nicht ähnlich, trotzdem wurde man sich handelseinig, schilderten die Zeugen. Als Sicherheit sei auf Initiative der Käuferin eine Quittung über 300 Euro ausgestellt worden. Einen Kaufvertrag habe es nicht gegeben, so das Paar. Zum Abschied habe die Neumünsteranerin ihnen noch einen Impfpass für Chico in die Hand gedrückt und vor Durchfall bei dem Tier gewarnt. „Sie sagte, das käme von einer Impfung“, so die Käufer. Zuhause wurde der Gesundheitszustand des Hundes schlimmer. Deshalb ging das besorgte Paar zu einer Tierärztin. Und die stellte erst einmal fest: „Von den Äußerlichkeiten war das kein Chihuahua. Vielleicht ein Jack-Russell.“ Am Allgemeinzustand des Hundes hatte die Tiermedizinerin anfangs wenig auszusetzen. Allerdings wurde sie unruhig, als kein Medikament gegen den Durchfall anschlugen.

Als der Hund von Tag zu Tag aggressiver wurde, einen für sein junges Alter völlig unnormalen Geschlechtstrieb zeigte und beißwütig wurde, schlug die Veterinärin Alarm. „Ich habe einen Tollwut-Verdacht aussprechen müssen“, erklärte sie. Hinzu kam, dass die Herkunft des Hundes völlig ungeklärt war: „Im Impfausweis fehlten alle Seiten, die Aufschluss über die Herkunft hätten geben sollen. Alle Daten zum Tier waren rausgerissen. Ich befürchtete, dass der Hund aus einem Tollwut-Land stammen könnte, zumal typische Symptome auftraten“, so die Tierärztin vor Gericht. Schlussendlich musste der junge Hund aus Sicherheitsgründen eingeschläfert werden. Eine spätere Untersuchung des Gehirns, die zu Lebzeiten nicht möglich ist, entkräftete letztendlich den Tollwut-Verdacht.

Die Verkäuferin des Hundes wies gestern alles Manipulationsvorwürfe von sich. Sie beschrieb stattdessen, wie sie den Hund eine Woche vor dem Weiterverkauf als Spielgefährtin für ihren älteren Chihuahua „irgendwo in Hamburg“ erworben hatte. „Über Ebay – und ich bin halt mit Navi irgendwo hingefahren“, meinte sie. Weil sich die Hunde nicht verstanden, habe sie sich zum Verkauf entschlossen. Am Impfausweis sei ihr nichts merkwürdig vorgekommen. Neben der Quittung sein noch ein Kaufvertrag gemacht worden, hieß es. Den habe die Käuferin auch unterschrieben. Doch die wollte davon nichts wissen.

Letztendlich konnten all die offenen Fragen vor Gericht nicht geklärt werden. Weil außerdem das Käuferpaar extrem blauäugig vorgegangen war, wurde das Verfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung schließlich eingestellt. Als Auflage muss die Neumünsteranerin 25 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Das würde ich gern im Tierheim machen“, erklärte sie noch im Gerichtssaal. Auf sie wartet jetzt noch ein Zivilverfahren.

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