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Holsteinischer Courier

16. August 2017 | 21:32 Uhr

Selbsthilfe schweißte die Siedler zusammen

vom

Siedlergemeinschaft "Eigener Herd" in Tungendorf feiert heute ihr 60-jähriges Bestehen

Neumünster | Die Keller mussten mühsam von Hand ausgeschachtet werden, und die Schaufel hatte jeder Siedler selbst mitzubringen. So begann im Sommer 1952 der Aufbau der Siedlung am Dahlienweg in Tungendorf. Im Februar 1953 gründeten die neuen Hausbesitzer die Siedlergemeinschaft "Eigener Herd", die heute ihr 60-jähriges Bestehen feiert.

An die Anfänge kann sich der erste Gemeinschaftsleiter Herbert Möller (90) noch gut erinnern. Das Grundstück zwischen Hürsland und Oberjörn hatte die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft "Eigener Herd" für 65 Pfennige pro Quadratmeter vom Bauern Ehmcke gekauft. In Selbsthilfe-Einheiten zu je acht Siedlern aufgeteilt und angeleitet von erfahrenen Handwerkern ging es an die Arbeit.

Jeder Siedler musste die damals stolze Summe von 890 Mark als "Muskelhypothek" stemmen, das heißt, als manuelle Eigenleistung erbringen. Das war nicht nur bei den Handlanger- und Steinträgerarbeiten für die Maurer Knochenarbeit. Auch die Lehmfüllung für die Zwischendecken musste mit Eimern hochgeschleppt werden. Die Selbsthilfe schweißte die gemeinschaft zusammen. Erst nach dem Richtfest wurden die Einzelstellen innerhalb der Gruppen verlost. So wusste keiner vorher, in welchem Haus er einmal einziehen würde. Um die Weihnachtszeit 1952 konnten die ersten von zunächst 24 Siedlerstellen, die auch eine kleine Einliegerwohnung hatten, bezogen werden.

Und kurze Zeit später musste schon die Hebamme erscheinen: Als erstes Siedlerkind erblickte Lothar Möller am 3. Januar 1953 das Licht der Welt. Der Sohn von Carola und Herbert Möller leitet heute die von seinem Vater gegründete Siedlergemeinschaft.

In den ersten Jahren war der Umgang mit dem "Goldeimer" auf dem Plumpsklo für viele eine neue Lebenserfahrung. Es gab zwar Wasser, Strom und Gas, aber an die städtische Müllabfuhr wurde die Siedlung erst 1955 angeschlossen, und die Kanalisation war erst 1956 fertig. 1958 gab es den ersten Telefonanschluss, danach erhielt die Straße endlich ihre feste Asphaltdecke. Die erste in Eigenleistung geschüttete Straße hatte noch eine "Schlackefüllung mit Lehmkies oben drauf - fertig war der Lack", sagt Herbert Möller.

Der Dahlienweg wurde in seiner Entstehung und Gestaltung beispielgebend für viele andere Neusiedlungen, die nach dem Krieg in Neumünster entstanden. Auch in vielen Gartenwettbewerben hat sich "Eigener Herd" einen Namen gemacht und Spitzenpreise errungen. Heute zählt die Siedlergemeinschaft, die 1998 die Gemeinschaft "Grünes Herz" am Geranienweg integrierte, 47 Mitgliederfamilien.

Gefeiert wird das Jubiläum heute mit einem Straßenflohmarkt von 10 bis 15 Uhr im dafür für den Verkehr gesperrten Dahlienweg. Die Festveranstaltung in Gundas Bauernhofcafé beginnt um 17 Uhr.

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erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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