Schultheaterfestival : Selbstfindung in Zeiten des Abi-Stresses

Louisa Breiholz (links), Lena Schlüter und Giray Demir überzeugten in ihren Rollen als fehlgeleitete Schüler.
Louisa Breiholz (links), Lena Schlüter und Giray Demir überzeugten in ihren Rollen als fehlgeleitete Schüler.

Die Gemeinschaftsschule Brachenfeld feierte mit „Punk Rock“ eine gelungene Premiere beim Schultheaterfestival.

Druckfrisch eingetroffen: Einige der Organisatoren und Teilnehmer des Schultheaterfestivals präsentieren die Plakate.  von
20. Mai 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Es ist eine Kulturreihe, die die Stadt bereichert – und sie startete gleich mit einem Knaller: Am Montagabend wurde das Schultheaterfestival im Theater in der Stadthalle eröffnet. Den Anfang machte die Gemeinschaftsschule Brachenfeld vor etwa 100 Zuschauern mit dem Stück „Punk Rock“ von Simon Stephens.

Mitten im realen Abitur-Stress ist es den Schülern gelungen, eine Geschichte um die Selbstbehauptung von Jugendlichen gut und stellenweise wirklich mitreißend zu zeigen. Ort der Handlung ist eine Schulbibliothek, in der sieben pubertierende Schüler versuchen, sich im Wust der großen Fragen ihrer Lebensphase zu orientieren.

Es geht um Liebe und den ersten Sex, um Hackordnung, Homoerotik, Bestnoten, Figurprobleme und Kinderwunsch. Und dazu kommt noch der Erfolgsdruck eines herausragenden Schulabschlusses. Die Jugendlichen etablieren schnell eine Atmosphäre der sozialen Eiszeit, in der Mobbing und Verrat der eigenen Druckentlastung dienen. Der Gipfel der Handlung ist schließlich der Amoklauf eines Schülers. Damit hat man gerechnet, in die schablonenhaft gezeichneten Figuren – der Überschlaue, die Boshafte, der Unterdrücker – fügt sich ein Superlativ der Gewalt passabel ein.

Was die Geschichte aber spannend gemacht hat, war die Ungewissheit darüber, wer der Übeltäter sein wird. „Normale Menschen sollte man abschlachten“, hat der Mörder William zwar schon ziemlich am Anfang verlauten lassen. Aber der Brutalo-Ton war nicht nur ihm eigen: „Meine Mutter verbrennt mich bei lebendigem Leibe, wenn ich nicht die Bestnote nach Hause bringe“, befürchtete Schulkameradin Cissy. So erscheinen Gewaltandrohungen als normales Klima. Eine plausible Lösung bietet das Stück nicht. Auf die Frage, warum er geschossen hat, kann William nur antworten: „Weil ich es konnte.“ Lediglich das Auftauchen einer Geistererscheinung lässt auch bei dem Nachwuchs der Ellenbogengeneration die Möglichkeit eines Gewissens zu.

„Ich bin positiv überrascht. Die schauspielerische Leistung war super und glaubwürdig“, meinte Besucher Reijk Boltze, der bis vor kurzem auf der Schule in Brachenfeld war. Seine Begleiterin Birte Rinck geht auf die Klaus-Groth-Schule und glaubt, Amoklauf sei kein Problem der normalen Schule: „Es kommt auf die Schulart an. Extreme neigen eher dazu.“

Louisa Breiholz hat die Lilly gespielt, sie meinte: „Das Thema Mobbing ist auf jeden Fall aktuell. Ich glaube, William ist Amok gelaufen, weil seine Liebe zu Lilly unerwidert blieb, er dauernd abgewiesen wurde und keine Freunde hat.“ Sicher ist, dass die Aufführung einen durchweg gelungenen Startschuss in ein spannendes Schultheaterfestival gegeben hat.

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