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TSV Gadeland : Selbstbewusst den Angreifer ausschalten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwölf Frauen nehmen an einem Selbstverteidigungs-Kursus beim TSV Gadeland teil. Der Courier war bei einer Trainingseinheit dabei.

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erstellt am 01.Mai.2016 | 09:00 Uhr

Neumünster | Mit einem lauten Schrei und dem Knie voran rennt Franca Zarpe auf Reinhard Leise zu. Würde sich zwischen den beiden kein Schlagpolster befinden, hätte die Ruthenbergerin den 61-Jährigen wenige Sekunden später vermutlich schmerzhaft außer Gefecht gesetzt. Die 31-Jährige ist eine von zwölf Frauen, die am Selbstbehauptung- und Selbstverteidigungs-Kursus des TSV Gadeland teilnehmen. An zehn Abenden lernen sie, wie sie Gefahren erkennen und vermeiden und sich im Notfall schlagkräftig gegen potenzielle Angreifer zur Wehr setzen können.

„Ich habe den Aushang gesehen und mich daraufhin sofort angemeldet. Man bekommt in den Medien immer wieder mit, dass Frauen angegriffen werden, von daher passte das gut“, sagt Franca Zarpe. Nina Angerstein (37) aus Gadeland wurde auf den Kursus aufmerksam, weil ihre Tochter beim TSV Jiu-Jitsu trainiert. „Ich wollte so einen Kursus schon immer mal machen. Ich bin eher der schüchterne Typ, der weggucken würde, wenn er an Fremden vorbeigeht. Hier lerne ich, was ein selbstbewusstes Auftreten mit einem aufrechten Gang und Augenkontakt ausmacht.“

Ähnlich sieht es auch Anke Kirchheim (47) aus Gadeland: „Wenn ich abends alleine unterwegs bin, habe ich manchmal schon ein schlechtes Gefühl. Es kann nicht schaden, wenn man sich im Notfall zu helfen weiß.“

Trainiert werden die Frauen von Angelika (60) und Reinhard Leise (61), die beim TSV Gadeland die Jiu-Jitsu-Sparte betreuen. „Die Teilnehmerinnen lernen hier, dass sie auch als Frau eine Chance haben, auch wenn der andere stärker ist. Wir vermitteln ihnen, dass es immer einen Ausweg aus einer Situation gibt – auch wenn man denkt, es gibt keinen“, sagt Angelika Leise. Neben den praktischen Einheiten zeigen die Trainer auch auf, wie sich Gefahrensituationen vermeiden lassen, und vermitteln rechtliche Grundlagen.

Wichtig ist den beiden Trainern, dass den Teilnehmerinnen die Techniken in Fleisch und Blut übergehen. „Wir wiederholen die Übungen regelmäßig, um sie zu automatisieren. Wenn ich angegriffen werde, habe ich keine Zeit, zu überlegen, sondern muss sofort handeln“, sagt Angelika Leise. Ihr Mann ergänzt: „Das Ziel ist, dass der Angreifer aufhört. Idealerweise liegt er dann auf dem Boden und ihr könnt weglaufen und Hilfe holen.“ Im Verlauf des Kurses sollen die Frauen noch eine weitere Stufe erlernen: das „Einpacken“ des Angreifers. „Das bedeutet, dass sich der Gegner am Boden befindet und ihr auf ihm sitzt oder liegt. Dann könnt ihr in aller Ruhe telefonieren“, sagt Reinhard Leise schmunzelnd.

Teilnehmerin Anke Kirchheim, die wie ihre Mitstreiterinnen am Donnerstag die dritte Einheit des Kursus absolvierte, ist begeistert, wie schnell die Techniken zu erlernen sind: „Ich habe nicht erwartet, dass man sich mit so einfachen Handgriffen erfolgreich verteidigen kann. Das stärkt das Selbstbewusstsein ungemein.“

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