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Wo ist Georg Linnemann? : Seit zwei Jahren fehlt jede Spur

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am 15. Dezember 2014 wurde der Student Georg Linnemann zum letzten Mal gesehen. Seine Freundin und die Mordkommission suchen weiter.

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erstellt am 15.Dez.2016 | 12:00 Uhr

Neumünster | Jetzt, wo sich auf dem Großflecken wieder die Kinder-Karussells des Weihnachtsmarkts drehen, sind die Erinnerungen besonders präsent. Zwei Jahre ist es heute auf den Tag genau her, dass Georg Linnemann mit 28 Jahren spurlos verschwand. Seine letzte Handy-Nachricht erreichte seine Lebensgefährtin (34) gegen 16 Uhr zwischen den Weihnachtsbuden, wo sie ihrer kleinen Tochter gerade einen schönen Nachmittag machte. „Viel Spaß – und passt beim Karussellfahren gut auf Euch auf“, lauteten die liebevollen Zeilen ihres Freundes. Danach blieb Georgs Handy ausgeschaltet.

Die Mordkommission in Kiel, die sich nach wie vor um diesen Fall kümmert, ist überzeugt davon, dass der Student umgebracht wurde – auch wenn trotz intensiver Suche bisher keine Leiche gefunden wurde.

Dass etwas nicht stimmt, wurde seiner Freundin vor zwei Jahren schnell klar. Georg wollte an dem Nachmittag nur noch schnell was erledigen, anschließend wollten sich die beiden einen gemütlichen Abend machen. Doch er meldete sich nicht mehr, war nie wieder erreichbar. „Ich konnte mir nie vorstellen, dass er einfach weggegangen ist“, sagt sie. Erst wenige Wochen vor seinem Verschwinden hatte Georg Linnemann erfahren, dass er Vater werden würde. „Wir wollten zusammenziehen und als Familie leben. Er hat sich sehr auf das Kind gefreut“, erinnert sich seine Freundin. Mittlerweile ist die Kleine 18 Monate alt, kann laufen und sprechen. Nur ihren Vater, den kennt sie ausschließlich von Fotos. „Sie hat genau seine grünbraunen Augen. Und seine Statur, so lang und schlank“, erzählt die Freundin.

Ihre ältere Tochter, die mittlerweile dreieinhalb Jahre alt ist, und von Georg wie ein eigenes Kind geliebt wurde, fragt immer noch mal nach ihm. „Sie will wissen, wann er zurück kommt“, sagt die zweifache Mutter mit Tränen in den Augen.

Was genau an dem Winternachmittag vorfiel, ist seiner Freundin nach wie vor ein Rätsel. Die junge Frau startete bereits wenige Stunden nach dem mysteriösen Verschwinden ihres Lebensgefährten die Suche. Verzweifelt wählte sie immer wieder seine Nummer. „Es kam mir gleich merkwürdig vor. Georg war auf dem Handy eigentlich immer zu erreichen“, sagt sie. Sie fand ihren Freund weder bei Freunden, noch in einem Krankenhaus. Am nächsten Tag ging sie deshalb zur Polizei. Die suchte zwar im Computer, ob sein Wagen irgendwo aufgefallen sei – doch mehr passierte erst einmal nicht.

Fünf Tage später, am 20. Dezember 2014, dann die erste Spur: Georgs dunkelblauer Golf IV mit dem Kennzeichen NMS-ZX-88 wurde von der Polizei in Hamburg-Osdorf am Elbe-Einkaufszentrum sichergestellt. Allerdings gab es immer noch keine Hinweise auf ein Verbrechen und deshalb von offizieller Seite auch keine öffentliche Suche.

Georgs Freundin reichte das nicht. Längst hatte sie die Facebook-Seite „Vermisst wird Georg Linnemann“
einrichten lassen. Dort erhielt sie
zwar viel Zuspruch und Interesse aus der Bevölkerung, ein brauchbarer Hinweis auf Georgs Schicksal war aber nie dabei.

Im April 2015 kam dann doch plötzlich Bewegung in die Sache: Jetzt stand die Kriminalpolizei vor der Tür der jungen Frau und stellte Fragen. „Im Rahmen anderer Ermittlungen hatte sich der Tatverdacht gegen zwei 28 und 26 Jahre alte Männer aus Neumünster und Kappeln, die dem persönlichen Umfeld des Herrn Linnemann zuzurechnen sind, erhärtet“, so Matthias Arends, Pressesprecher der Polizeidirektion Kiel. Doch die Männer, die damals wegen Diebstählen in Untersuchungshaft saßen, schweigen offenbar beharrlich zu den Vorwürfen. Im November 2015 wurden sie vom Landgericht Flensburg zu 5,5 beziehungsweise 3,5 Jahren Haft verurteilt.

Möglicherweise war auch Georg Linnemann in Straftaten verstrickt. Laut Polizei besteht der Verdacht, dass er zu einer Bande gehörte, die in Schleswig-Holstein Garagen und Lagerhallen aufbrach, Aufsitzrasenmäher und Motorräder klaute. Er soll Motorradteile im Internet angeboten haben. Möglicherweise liegt hier das Motiv für sein Verschwinden. „Mir ist damals nichts Merkwürdiges aufgefallen. Er war täglich bei mir“, sagt seine Freundin. Doch sie weiß mittlerweile auch, dass es einige dunkle Seiten in seiner Vergangenheit gegeben haben muss und dass es möglicherweise irgendwo Menschen gibt, die von ihrer hartnäckigen Suche nach der Wahrheit nicht begeistert sind und vor Gewalt nicht zurückschrecken. Deshalb möchte sie auch ihren Namen nicht nennen.

Die Suche nach Georg Linnemann glich von Anfang an der Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Wichtige Spuren waren für die Polizei das Auto des Opfers sowie ein gelber Leihanhänger: Der Hänger wurde am 3. Januar 2015 in Neumünster am Wernershagener Weg/Ecke Weberstraße umgestürzt am Straßenrand entdeckt. Linnemann hatte ihn gemietet, möglicherweise sollte damit Diebesgut transportiert werden, meint die Polizei. Der Student soll auch Kontakte nach Hamburg, Dänemark und Niedersachsen gehabt haben. Er wuchs als Sohn eines Ärztepaares in Bremervörde auf.

Zwei Mal suchten die Ermittler konkret nach seiner Leiche: Sie sind sich sicher, dass Georg Linnemann getötet, verbrannt und in Neumünster oder im Umland vergraben wurde. Im Juli 2015 durchkämmten die Ermittler vergeblich eine Wiese in Wasbek. Mitte Oktober suchten sie nach einem Tipp erfolglos ein Kleingartengelände ab.

Auch eine Belohnung von 1500 Euro für Hinweise, die zur Lösung des Falls führen, brachte die Mordkommission nicht weiter. „Der Fall ist aber keineswegs zu den Akten gelegt“, betont Polizeisprecher Matthias Arends. Details wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Was auch immer passiert ist: Georgs Freundin möchte Klarheit über sein Schicksal. „Das ist nicht nur wichtig für mich, sondern vor allem auch für die Kinder“, sagt sie. 

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