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Junge Flüchtlinge : „Seit Januar ist Funkstille“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadt fühlt sich vom Land allein gelassen und fordert mehr Unterstützung vom Land

von
erstellt am 06.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Neumünster | Die Stadt fühlt sich vom Land allein gelassen bei der Unterbringung und Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. „Seit Januar ist Funkstille“, sagte Sozialdezernent Günter Humpe-Waßmuth am Donnerstagabend im Schulausschuss.

Landesweit gut ein Viertel dieser Jugendlichen landet in Neumünster, und die Stadt muss sich um sie kümmern. Dazu ist sie gesetzlich verpflichtet, sagte Humpe-Waßmuth. Und dazu benötigt die Stadt etwa 140 Plätze, sagte Thorben Pries, der Büroleiter von Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras. Zurzeit gebe es nur die 56 Plätze an der Parkstraße und 20 weitere in der Planung. Deswegen habe die Stadt nach Trägern für die Betreuung gesucht und nach städtischen Grundstücken, auf denen diese Träger Einrichtungen bauen und betreiben können.

Dass dabei auch das frühere Jugendfreizeitheim an der Slevogtstraße in den Blick kam, sorgt im Stadtteil, der schon die Erstaufnahmeeinrichtung verkraften muss, weiter für Aufregung (der Courier berichtete). Etliche Bürger im Publikum machten das auch deutlich. Ruthenbergs Stadtteilvorsteher Uwe Holtz kritisierte die Informationspolitik der Stadt und hat für den 24. Februar eine Stadtteilbeiratssitzung anberaumt.

Sein SPD-Parteifreund, der Schulausschussvorsitzende Bernd Delfs, kritisierte zwar das Sankt-Florians-Prinzip, sagte aber auch: „Es gibt Fragen der Abwägung.“ Die SPD will sie in Form einer Großen Anfrage in der Ratsversammlung am 16. Februar stellen.

In der Böcklersiedlung sieht der Stadtteilvorsteher Rolf Schaks den dort diskutierten Standort Memellandstraße „entspannter“. Aber auch er habe erst spät von den Planungen erfahren. „Wenn man nicht richtig kommuniziert, entstehen Ängste“, mahnte Schaks.

Berührungsängste abbauen will der Verein Open Haart. Er hat zurzeit noch im Ex-Jugendheim an der Slevogtstraße 31 sein Domizil und wendet sich mit Freizeitangeboten an die jungen Flüchtlinge. „Jugendliche sind unsere Chance in Neumünster. Wir müssen einfach nur etwas gemeinsam mit ihnen machen und die Menschen nicht trennen“, sagte Roman Wagner vom Verein und warb für die interkulturelle Öffnung.

Der Verein Open Haart hänge nicht am Freizeitheim. „Aber wir benötigen Unterstützung“, so Wagner. Er wünsche sich, dass die Stadt öffentliche Plätze, etwa an der Gustav-Hansen-Schule, freigebe – „für die Kinder aus dem Stadtteil und aus der Erstaufnahme.“

 

 

 

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