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Diamantene Hochzeit : Seit 60 Jahren durch dick und dünn

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gunda (82) und Herbert Siebert (85) aus der Innenstadt feiern heute diamantene Hochzeit. Die Tuch- und Lederindustrie bestimmte das Leben des Paares.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 08:20 Uhr

Neumünster | Es ist schon lange her, aber Herbert Siebert (85) weiß es noch genau: „Auf dem Sportplatz am Kiefernweg in Wittorf traf sich die Dorfjugend, da habe ich sie kennengelernt. Sie war eine hübsche Frau – ich habe mich gleich verliebt.“ „Sie“ – das war Gunda Hansen. Weil er aber schüchtern war, dauerte es ein bisschen, bis er sich ein Herz fasste. „Zuerst hat man erst mal miteinander geschickert, und wir waren zum Tanz in Hamanns Gasthof“, erinnert sich die 82-Jährige schmunzelnd. Zuerst wurden – so war das damals – die Eltern um Erlaubnis gebeten, dann folgte der klassische Heiratsantrag. „Sie“ sagte „Ja“, und das Versprechen hält bis heute: Das Ehepaar, das in der Innenstadt lebt, feiert heute das seltene Jubiläum der diamantenen Hochzeit.

60 Jahre miteinander durchs Leben zu gehen – wie geht das? „Wir haben nie ernsthaft Krach gehabt und waren uns auch immer ziemlich einig, auch wenn wir mal miteinander diskutiert haben“, sagt sie und nennt ihren Mann lachend „beharrlich“. Und selbst wenn mal „dicke Luft“ war, gab es immer am Ende des Tages die Versöhnung. Außerdem – das sagt sie rückblickend und ernst – seien ihr Mann und sie „durch dick und dünn gegangen“: „Das schweißt zusammen.“

Denn die Zeiten waren nicht immer einfach. Herbert Siebert stammt aus Pasewark bei Danzig, musste als 13-Jähriger mit der Familie im Zweiten Weltkrieg flüchten, lebte zuerst in Nissenhütten am Ehndorfer Platz, kam dann nach Wittorf. Dort war seine Frau geboren worden, lebte am Tannenweg in einem Haus, das von den Norddeutschen Lederwerken gebaut wurde – es gab eine ganze Siedlung für die Arbeiter. Gundas Vater arbeitete bei den Lederwerken, war Betriebsrat.

Die Tuch- und Lederindustrie bestimmte das Leben des Paares: Herbert arbeitete als Spinnmeister bei Bartram an der Altonaer Straße, dann in der Textilfachschule. Sie lernte bei den Lederwerken: „Ich wollte mein eigenes Geld verdienen.“ Es war harte körperliche Arbeit – Felle spritzen und aufhängen, am Fließband stehen. Als ihre erste Tochter Gabriele (59) zur Welt kam, arbeitete sie trotzdem: „Mittags fuhr ich nach Hause, stillte das Kind und fuhr wieder zur Arbeit.“ Es folgten die Söhne Thomas (55) und Andreas (52).

Später arbeitete Gunda Siebert wie ihr Mann an der Textilfachschule. Als die pleite machte, nahm Herbert Siebert dort Arbeit an, wo es möglich war – bei der Tuchfabrik Simons am Kleinflecken, bei der Firma Sauer, manchmal auch außerhalb der Stadt. Wenn das Paar neben Arbeit und Kindererziehung mal Urlaub machen konnte, ging es in die Türkei, nach Ungarn oder mit einem privaten Kegelclub nach Bulgarien.

Viel Freizeit steckte Herbert Siebert in die Freiwillige Feuerwehr Wittorf, der er rund 40 Jahre angehörte und deren Wehrführer er auch jahrelang war. Einen Einsatz erinnert er noch heute: „Damals brannte es in der Holstenbrauerei.“ Ein gemeinsames Hobby war und ist das Singen: Beide waren rund 30 Jahre im Chor Einigkeit Wittorf, und noch immer schwärmen sie von den Konzertreisen nach Dänemark oder Polen. Auch heute noch singt Herbert seiner Gunda gerne ein Ständchen. Auch wenn sein Gedächtnis schon ein wenig streikt und beide nicht mehr so gut zu Fuß sind, macht er ihr immer noch Komplimente: „Ich liebe sie noch heute, das ist eben Liebe, was soll ich sagen? Ich bin glücklich.“ Zu dem seltenen Ehrentag gratuliert die ganze Familie – die Kinder und die Enkel Janosch (27), Alexander (22) und Mark (16).

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