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Wetterfeste Frühschwimmerin : Seit 45 Jahren zum Frühbad im See

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rita Hohnsbehn (85) aus Einfeld schwimmt täglich im Einfelder See / Mit dabei ist Freundin Brigitte Meyn (71)

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Neumünster | Morgens um halb acht ist die Welt noch in Ordnung. Wenn andere gerade unter der Dusche stehen oder noch schlummern, hat Rita Hohnsbehn aus Einfeld seit 45 Jahren ein festes Ritual – sie geht schwimmen in der Dorfbucht am Einfelder See. Die 85-Jährige ist äußerst wetterfest und lässt sich nicht von kalten Wassertemperaturen schrecken: „Zurzeit sind es wohl so elf Grad, aber das macht nichts.“ Zweite Frühschwimmerin seit „erst“ zehn Jahren ist ihre Freundin Brigitte Meyn (71). Die beiden kennen sich über den Einfelder Sportverein und treffen sich täglich in aller Herrgottsfrühe am Strand in der Nähe der Twiete.

So früh morgens könnten die Seniorinnen doch noch ausschlafen? „Nein, das muss vor dem Frühstück passieren“, sagen sie lachend. Auch wenn das Wasser kalt ist und sie nach einer Viertelstunde manchmal die klammen Finger fast nicht mehr bewegen können, ist es ein Genuss – ganz bewusst so früh: „Da sind wir noch allein, wir sind der Natur ganz nah. Die Vögel zwitschern, der Kuckuck ruft, und wir haben schon einen Fischreiher gesehen. Man könnte ein Buch darüber schreiben. Jeden Tag zeigt sich der See anders. Mal steigt der Nebel auf, mal spiegeln sich die Häuser im Wasser, mal ist er unruhig.“ Der See ist eine Oase für sie: „Das bringt Ruhe, man schöpft Kraft und geht gestärkt in den Tag.“

Nicht selten werden sie gefragt, warum sie sich das antun. „Uns würde sonst etwas fehlen“, sind sie sich einig. Rita Hohnsbehn arbeitete früher bei der AEG als Personalsachbearbeiterin und hatte gleitende Arbeitszeit. Da ging es schon um 6 Uhr in die Fluten – mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Hansgeorg: „Wir sind dann unsere Runden geschwommen und ich bin dann zur Arbeit. Ich war frisch, die anderen kamen verschlafen zum Dienst“, erinnert sie sich fröhlich. Später stand ihr Mann immer in der Tür, wenn sie vom Schwimmen kam und erwartete sie mit frischgebrühtem Kaffee. Bei Brigitte Meyn, die bei Mercedes Süverkrüp in der Buchhaltung arbeitete, ist es genau andersherum: „Ich bringe die Brötchen und koche Kaffee für mich und meinen Mann Herbert.“

Entstanden ist das See-Ritual, weil Rita Hohnsbehn Wasser über alles liebt: „Wenn ich Wasser sehe, muss ich rein.“ Das gilt nicht nur für den Einfelder See: Im Türkei- oder Griechenland-Urlaub schwimmen sie im Mittelmeer. Und sie halten sich auch anderweitig fit: Jeden Mittwoch und Donnerstag spielen sie Tennis. „Die Damen sind alle so 20 bis 15 Jahre jünger. Sie sagen, ich bin ihr Vorbild“, sagt Rita Hohnsbehn. So viel Sport und frische Luft zahlen sich aus: Krank werden sie selten, sagen sie.

Doch der Sommer, der bisher keiner ist, hat dieses Jahr doch ein klein wenig ihre Saison verschoben: „Sonst schwimmen wir ab Ende April bis Ende September, dieses Jahr erst ab Anfang Juni.“ Sie warten auf wärmere Temperaturen, denn dann sind sie nicht mehr zu zweit. Vier weitere Frühaufsteher gehören eigentlich zur Gruppe: „Die kommen, wenn das Wasser so 15 Grad hat.“ Die zwei sind der „harte Kern“ der Schwimmtruppe.

Nur eines stört die zwei – die Hinterlassenschaften der Gänse. Sie zeigen auf die Kothäufchen auf dem Rasen und im Sand. „Leider hat die Stadt in diesem Jahr nicht wie immer einen Zaun aufgestellt, um die Gänse zu vergrämen. Morgens ist manchmal eine ganze Armada mit uns im Wasser.“

 

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