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Holsteinischer Courier

12. Dezember 2017 | 11:56 Uhr

Trotz Handicaps : Seit 30 Jahren Straßenmusiker

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Götz Dederke hat von Geburt an einen verkürzten Arm und war mit seiner Gitarre schon überall in Europa

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 08:06 Uhr

Neumünster | Götz Dederke steht in der Lütjenstraße, schmettert "dat du min Leevsten büst" und begleitet sich dazu auf der Gitarre. Viele Passanten nicken ihm anerkennend zu und werfen ein paar Münzen in seine Mütze. Das Besondere an Dederke, der vor 30 Jahren anfing, Straßenmusik zu machen, ist aber nicht nur seine kräftige Stimme. Anders als die meisten Gitarristen hat der Neumünsteraner von Geburt an einen verkürzten Arm, der rechte hört am Ellenbogen auf.

Als er als Kind Musik machen wollte, schenkten seine Eltern ihm eine Mundharmonika. Sie dachten, die könnte ihr Sohn leichter handhaben. Seit Dederke mit sechs Jahren einen Straßenmusiker mit Gitarre gesehen hatte, war für ihn jedoch klar: Das will ich auch machen. Mit 16 Jahren bekam er endlich die erste Klampfe. Um die richtige Spieltechnik zu entwickeln, experimentierte er lange herum. Nun benutzt er für den Saitenanschlag ein Plättchen Marke Eigenbau. Außerdem hat er einen speziellen Gurt, sodass die Gitarre nicht verrutscht, wie es bei einem herkömmlichen Gurt der Fall ist. "Andere fixieren die Gitarre mit dem Ellenbogen und schlagen die Saiten mit dem Unterarm an, das kann ich natürlich nicht", erläutert Dederke.

1983, mit 19 Jahren, hatte er seine Premiere als Straßenmusiker auf der Holstenköste. Seitdem hat der heute 49-Jährige Plätze und Straßen überall in Europa mit seiner Musik bereichert. Das brachte ihm viele Erinnerungen. An Glasgow etwa, wo er das erste mal im Regen spielte. An Liverpool, wo vor allem seine plattdeutschen Lieder gut ankamen, weil sie der Mundart der englischen Arbeiterstadt gar nicht unähnlich seien. In Frankreich legte er "auf Tournee" in einem Jahr 30 000 Kilometer per Anhalter zurück, spielte in St. Tropez, Marseille und Paris. Auch in Athen und London spielte er und bereiste zudem Deutschland komplett von Norden bis Süden. Vor allem an München erinnert er sich gern. "Dort gab es damals keine Beschränkungen. Man konnte lange spielen und gut verdienen", so Dederke.

Eine Pause gab es zwischen 1999 und 2009. Er heiratete und blieb bei seinen zwei Kindern zu Hause. Nach dem Ende seiner Ehe und einer kurzen beruflichen Orientierungsphase beschloss er, seine Leidenschaft Straßenmusik wieder zu seinem Hauptberuf zu machen. Momentan ist er in Neumünster und Kiel unterwegs und peilt Auftritte in Hamburg und Rendsburg an. Was ihm an der Straßenmusik besonders gefällt: "Ich berühre die Menschen, sie können im Vorbeigehen kurz aus ihrem Alltag entfliehen".

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