Grossenaspe : Seeadler musste von Qualen erlöst werden

Am Mittwoch bereiteten der Wasbeker Tierarzt Dr. Johannes Frahm und Dr. Elvira Freifrau von Schenck vom Wildpark Eekholt  den verletzten Seeadler  auf den Transport nach Eekholt vor.
Am Mittwoch bereiteten der Wasbeker Tierarzt Dr. Johannes Frahm und Dr. Elvira Freifrau von Schenck vom Wildpark Eekholt den verletzten Seeadler auf den Transport nach Eekholt vor.

Der verletzte Seeadler aus Großharrie wollte nicht mehr fressen, hätte nie wieder fliegen können und musste im Wildpark Eekholt eingeschläfert werden.

shz.de von
13. Juni 2014, 06:00 Uhr

Grossenaspe | Der Zustand des am Pfingstmontag gefundenen Seeadlers hatte sich gestern so dramatisch verschlechtert, dass das Tier nach langer Beratung von seinen Qualen erlöst und eingeschläfert wurde. „Auch das ist Tierschutz“, sagte Eekholt-Geschäftsführer Freiherr Wolf von Schenck traurig.

Der verletzte Seeadler war von Stefanie Wulf aus Großharriefeld entdeckte und von Großharrier Jägern zum Wasbeker Tierarzt Dr. Johannes Frahm gebracht worden (der Courier berichtete). Dort hatte Frahm bereits gesagt: „Noch ist der Adler nicht sicher über den Berg.“ Festgestellt worden war zunächst ein Knochenbruch in der linken Flügelspitze. Mittwoch stand der Adler auf den Füßen, zeigte sich aufmerksam und fraß selbstständig. „Dass der auf das Gewicht eines Bussards abgemagerte Adler noch lebt, grenzt an ein kleines Wunder“, meinte die Tierärtzin Dr. Elvira Freifrau von Schenck vom Wildpark Eekholt. Mittwoch bereitete sie das Tier gemeinsam mit Dr. Frahm auf den Transport in den Wildpark vor. Dort sollte sich der Vogel erholen.

In Großenaspe wurde der Seeadler erneut untersucht. Das Tier musste schon lange verletzt auf dem Boden gelebt haben. Der Kopf war mit Zecken übersät, die Brustmuskulatur kaum noch vorhanden. Wie Wolf von Schenck mitteilte, war das Blutbild des Tieres sehr schlecht. Der vier Jahre alte Vogel wog vorgestern 2,6 Kilogramm (normalerweise 4,5 bis 6,5 Kilogramm), gestern morgen nur noch 2,4 Kilogramm. Sein Futter hatte er nicht angerührt. Das Tier war so geschwächt, dass es nur noch auf dem Boden lag. „Neben dem Bruch gab es weitere Verletzungen am Flügel, einige Finger an der Handschwinge waren nicht mehr da“, sagte von Schenck. Nach dieser Verletzung hätte der Seeadler nie wieder fliegen können. Eine Auswilderung wäre nicht möglich gewesen. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Rücksprache mit der Projektgruppe Seeadlerschutz, mit weiteren Experten und dem Artenschutz-Referat im Ministerium ergaben, dass der Seeadler nicht mehr zu retten sei.

Dennoch waren der beherzte Zugriff und Transport in die Wasbeker Tierklinik richtig, meinte Elvira von Schenck. Das sieht auch der Boostedter Jäger Heinz-Dietmar Lütje so. Grundsätzlich, so Lütje, müsse die vorübergehende Aneignung zur Verbringung in tierärztliche Hilfe als nicht zu verfolgender Rechtsbruch betrachtet werden. Hier stelle der Tierschutz das höhere Rechtsgut dar, sagte Lütje. Das dürfe nach seiner Rechtsauffassung grundsätzlich auch für Nichtjäger so gesehen werden. Auf die sichere Seite bringt der Finder verletzter Tiere, besonders solcher, die besonderen Schutzbestimmungen unterliegen, die Benachrichtigung öffentlicher Stellen wie Polizei oder Jagdbehörden, zuständige Revierjäger sowie weiterer als zuständig erklärte Personen und Institutionen wie Pflegestationen.

Dem schließt sich Dr. Christiane Holländer, Leiterin der obersten Forst- und Jagdbehörde an. „Wir wollen nicht alles immer komplizierter machen“, sagte sie. Wer im Fall eines Seeadlers die Projektgruppe Seeadlerschutz nicht erreicht, sollte eine andere offizielle Stelle informieren und handeln. Ähnlich sei der Fall etwa bei einem Uhu oder anderen geschützten Arten zu bewerten.


zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen