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Holsteinischer Courier

18. Oktober 2017 | 03:02 Uhr

Einfeld : Seeadler kreisen über der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor allem in Einfeld kann man des Öfteren die imposanten Vögel beobachten. Der Einfelder See ist das Jagdrevier von vermutlich mehreren Paaren.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 13:00 Uhr

Neumünster | Wenn Finn Krieger (39) Seeadler über Einfeld kreisen sieht, greift er zur Kamera. „Die sind ja riesig, sehr imposant. Und wie die sich mit der Thermik ohne einen Flügelschlag hochschrauben – dieses Flugmanöver ist beeindruckend, auch für meine Kinder. Das ist ein tolles Erlebnis“, sagt der Lehrer an der Walther-Lehmkuhl-Schule. Diese Begegnungen der besonderen Art gibt es des Öfteren: „Die Wahrscheinlichkeit, im Gebiet Einfelder See und Dosenmoor Seeadler beobachten zu können, ist deutlich höher als noch vor 20 Jahren“, sagt Günter Kalin vom Vorstand der Projektgruppe Seeadlerschutz. Denn im Land habe sich eine stabile Population entwickelt. „Die Vögel am See sind wahrscheinlich Paare, die im Bereich Krogaspe und im Bordesholmer Raum brüten“, sagt der 68-Jährige.

Das Fernglas hat der Postfelder, der sich seit 40 Jahren im Seeadler-Schutz engagiert, immer dabei: Er ist einer der aktiven Horstbetreuer im Verein, beobachtet dreimal pro Woche „seinen“ Horst, notiert den Brutbeginn, die Zahl der Jungvögel, aber auch Brutabbrüche. Es gibt fünf öffentliche Horst-Standorte in Schleswig-Holstein, darunter auch den in Barsbek (Kreis Plön). Diese Horste werden in der Brutzeit rund um die Uhr bewacht; vor Ort wohnen die Betreuer in einem Wohnwagen – zwischen 180 bis 200 Menschen sind im Einsatz, alle ehrenamtlich, genau wie die 60 bis 70 Vor-Ort-Beobachter, die wie Kalin die nichtöffentlichen Horste betreuen.

Seeadler sind mit einer Flügelspannweite von 2,20 Meter (Männchen) bis 2,60 Meter (Weibchen) die größten Greifvögel Nordosteuropas. Für eine erfolgreiche Brut brauchen sie eine gelungene Balzphase im Herbst, in der die monogamen Tiere eine hormonelle Bindung eingehen. „Sie schnäbeln miteinander, das Männchen bringt Geschenke, es ist fast wie bei den Menschen“, schmunzelt Kalin. Ab Ende Mai schlüpfen die Jungen. Sie werden 80 Tage gefüttert, fliegen bis Oktober mit ihren Eltern und werden dann aus dem Revier gedrängt. Im Alter von vier Jahren werden sie geschlechtsreif. In Schleswig-Holstein gibt es in diesem Jahr 106 Revierpaare, von denen 99 brüteten, davon 70 erfolgreich; 103 Jungtiere flogen erfolgreich aus. Es gab fünf bestätigte Totfunde aufgrund von Vogelgrippe, aber auch Störungen durch Menschen oder zu wenig Balz können die Brut scheitern lassen. Bitter wiegen Vergiftungen durch Bleimunition und das Fällen von zwei Horstbäumen, das die Adlerschützer zutiefst schockierte.

Am Einfelder See finden die Adler vor allem Fische als Futter – wenn die Menschen sich nicht auf dem See tummeln. „Die Vögel wissen, wann am Einfelder See Wasserski gelaufen wird, das können die Tiere aus großer Höhe erkennen. Sie jagen in den frühen Morgenstunden oder wenn die Frequenz der Menschen niedrig ist“, sagt Kalin, der auch Scheinangriffe von Möwen und Raben auf die Adler beobachtet. „Das heißt in der Fachsprache‚anhassen‘.“

Männchen und Weibchen jagen abwechselnd, erbeutet werden Fische, aber auch Wasservögel wie Stockenten, Blesshühner und Haubentaucher – vor allem kranke und schwache Tiere. Störend für die Jagdtouren sind nicht nur Wassersportler, sondern auch unangeleinte Hunde, dröhnend umherfliegende Drohnen und Windkraftanlagen. „Es gibt geschützte Zonen, die müssen beachtet werden“, so Kalin. Auch das Dosenmoor ist das Revier der Greifvögel, die in einem Radius von etwa drei Kilometern um ihren Horst jagen und auch hier Wasservögel als Beute fangen.

Im Internet: www.ProjektgruppeSeeadlerschutz.de / Präsentation des Vereins am Greifvogeltag (17. September) im Wildpark Eekholt.
 

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