Schleusau-Öffnung : Schwierige Entsorgung unter Atemschutz

Tiefbauer der Firma Ernst Krebs haben über der Schleusau ein stählernes Gerüst aufgebaut, das inzwischen vollständig mit Planen verhüllt ist. Unter dem versetzbaren Werkstatt-Zelt sollen die Schleusau-Rohre in zwei Meter große Stücke zersägt werden, die dann zur Sondermülldeponie gebracht werden.
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Tiefbauer der Firma Ernst Krebs haben über der Schleusau ein stählernes Gerüst aufgebaut, das inzwischen vollständig mit Planen verhüllt ist. Unter dem versetzbaren Werkstatt-Zelt sollen die Schleusau-Rohre in zwei Meter große Stücke zersägt werden, die dann zur Sondermülldeponie gebracht werden.

Vor dem Museum Tuch + Technik beginnt die Zerlegung der belasteten Rohre. Rund 600 Tonnen Sondermüll fallen an

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10. Juli 2015, 09:00 Uhr

Neumünster | Die Entsorgung der mit PAK verseuchten Betonröhren vor dem Museum Tuch + Technik geht in die heiße Phase. Mitarbeiter der Tiefbaufirma Krebs haben über dem verseuchten Schleusau-Trog eine Art mobile Werkstatt errichtet, die inzwischen vollständig mit Planen verhüllt ist. Unter dem Zelt beginnen die Arbeiter in den nächsten Tagen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen mit der Zerlegung der belasteten Rohre, die dann auf die Sonderdeponie Ihlenberg in Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden sollen. Ersten Schätzungen zufolge müssen etwa 600 Tonnen Beton entsorgt werden.

Die Betonschalen sind mit sogenannten polyzyklischen aromatisierten Kohlenwaserstoffen (PAK) belastet. Die Chemikalie, die Krebs- und Lungenkrankheiten auslösen kann, wurde früher unter anderem in Schutzanstrichen für Betonbauten verwendet. Bei der geplanten Öffnung der Schleusau vor dem Museum waren im November in den Betonabdeckungen erhöhte PAK-Werte festgestellt worden. Die Arbeiten wurden daraufhin zunächst eingestellt, die belasteten Rohre mit Plastikplanen abgedeckt.

„Wir haben uns Zeit genommen, um eine möglichst sichere und zugleich kostengünstigste Methode zur Zerlegung und Entsorgung zu finden“, begründete Bauamtschef Ralf-Joseph Schnittker gestern die monatelange Unterbrechung.

In dem jetzt mit der Firma Krebs entwickelten Verfahren soll die mobile Werkstatt nach und nach über den rund 40 Meter langen Schleusau-abschnitt wandern, um die Betonrohre unter dem Zelt sicher Stück für Stück zersägen zu können. Die Arbeiter sollen sich dabei mit Einmalschutzanzügen und Staubmasken schützen und dürfen den Arbeitsbereich nur durch eine Container-Schleuse betreten und verlassen.

Um die gefährliche Staubentwicklung zu vermeiden, werden die Rohre nass zersägt. Das dabei anfallende Wasser wird aufgefangen, in Sand gebunden dann ebenfalls in Fässern als Sondermüll entsorgt. Karl-Heinz Krüger als leitender Bauingenieur rechnet mit etwa 2000 Litern (zehn Fässer) kontaminiertem Wasser.

Die Stadt hatte das Verfahren vorab in einem Probeschnitt getestet. Dabei habe man keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen in der Luft feststellen können, versicherte gestern Bauamtschef Schnittker. Die jetzt startenden Arbeiten würden aber laufend auf Schadstoffemissionen hin überwacht und kontrolliert.

Die Entsorgungsarbeiten werden voraussichtlich bis Ende August dauern. Für das aufwändige Zerschneiden und die Entsorgung der Rohre kalkuliert die Stadt mit Kosten von rund 200 000 Euro (der Courier berichtete).

Um mit den Arbeiten starten zu können, wurde gestern der Teichabfluss zur Schleusau vor der Stadthalle abgeschottet. Die Stadt will die Trockenlegung gleichzeitig für Reparaturen an der dortigen Wehranlage nutzen.

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