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Holsteinischer Courier

22. August 2017 | 04:02 Uhr

Stadtwerke : Schwertransport kam über Nacht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bei den Stadtwerken wurde schwere Technik angeliefert: Die neue Turbine ist die Voraussetzung für die Umstellung der Fernwärme vom Dampf auf Heizwasser.

„Vorsicht Überbreite!“ warnten die Lichtbalken der drei Polizeifahrzeuge, die in der Nacht zu Freitag einen imposanten Schwerlast-Konvoi zum Gelände der Stadtwerke begleiteten. Aus Hamburg kamen die neue Turbine (37,5 Tonnen) sowie der 64 Tonnen schwere, 13 Meter lange und 6 Meter breite Turbinentisch (aus Lübeck). Maßarbeit war gefragt, denn die gewaltigen Fahrzeuge mussten die letzten Meter von der Max-Johannsen-Brücke kommend über den Ilsahl und die enge Rosenstraße bewältigen.

Gut eine Stunde zuvor waren Polizeibeamte damit beschäftigt, an der Rosenstraße aufzuräumen, denn das Halteverbot hatten zwei Autofahrer nicht für bare Münze genommen. Beide Autos wurden (kostenintensiv) umplatziert.

Gegen 2.30 Uhr kamen die schweren Fahrzeuge heran. Der überbreite Turbinentisch wurde auf einem 10-Achser-Auflieger transportiert, dessen Achsen separat gesteuert werden konnten. Das war vor allem hilfreich, als das Trumm in die Rosenstraße abbiegen musste. Manch provisorisches Schild musste kurzerhand auf die Seite gelegt werden, dann bahnte sich der Schwerlastfahrer René Niedworok im Schritttempo seinen Weg, ohne anzuecken. „Zweieinhalb Stunden haben wir von Lübeck nach Neumünster gebraucht. Es hätte schneller gehen können, aber im Ganzen sind wir gut durchgekommen“, sagte der Verantwortliche Frank Schnerwitzki.

Gestern Vormittag wurde es erneut ernst: Um den Turbinentisch an seinen Bestimmungsort zu hieven, wurde er zunächst von zwei Kränen senkrecht aufgestellt. Anschließend hob ein nicht minder beeindruckender 600-Tonnen-Kran den Tisch auf 40 Meter Höhe, um ihn durch das offene Dach in das Heizkraftwerk zu bugsieren. Am Montag wird die Turbine ins Kraftwerk gehoben, die auf dem Tisch montiert wird. Die neue Turbine ist die Voraussetzung für die Umstellung der Fernwärme vom Dampf auf Heizwasser. „Sie wird mit dem Feuer aus dem TEV-Kessel betrieben und wird sowohl Strom als auch Heizwasser produzieren“, erklärte SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt. Voraussichtlich im September/Oktober soll sie in Betrieb genommen werden. Mehr Leistung und deutliche größere Effizienz sind die Markenzeichen der neuen Anlage. Die Stadtwerke haben 15 Millionen Euro investiert.

„Das ist schon ein besonderer Moment“, sagte SWN-Kraftwerksleiter Reenhard Gerdes bei der Ankunft der beiden Schwertransporte. Seit 2008 wird das Fernwärmenetz in der Stadt modernisiert, damit es ab 2015 schrittweise vom Dampf auf Heizwasser umgestellt werden kann. „Damit leisten wir einen ganz konkreten Beitrag zur Energiewende: mehr Leistung und deutliche größere Effizienz sind das Markenzeichen der neuen Anlage“, so Gerdes. Mit dem Einbau der hochmodernen neuen Turbine 6 in der Halle, in der noch bis vor wenigen Monaten ein Kohlekessel aus den 1970er-Jahren stand, ist nun der Zeitpunkt gekommen, an dem das neue System unmittelbar vor dem Start steht.
Der Turbinentisch hatte einen weiten Weg hinter sich. Von Süssen in der Nähe von Stuttgart, wo das Stahlgerüst zusammengebaut wurde, trat es seinen Weg zunächst über die Straßen nach Mannheim an. Von dort ging es per Schiff weiter über den Rhein, den Mittellandkanal und den Elbe-Seitenkanal bis in die Hansestadt Lübeck. Dort wurde das Stahlgerüst wieder auf einen Tieflader gehievt, bevor es dann in der Nacht über die Autobahn in Richtung Neumünster ging. Bereits am Donnerstagmorgen waren die Leitplanken an der Autobahnabfahrt Nord entfernt worden, damit der lange Zug mit Überbreite auf den Zubringer nach Neumünster einschwenken konnte.

 

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erstellt am 22.Feb.2014 | 05:00 Uhr

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