Schultheaterfestival Neumünster : Schwere Kost leicht gemacht

Mary Bennet (Lea Meyer, von links), Kitty (Michelle Johnson), Elizabeth Bennet (Sonja David), Jane Bennet (Luisa Schulz), Misses Bennet (Jessica Harich), Mister Bingley (Sohban Nisa).
Mary Bennet (Lea Meyer, von links), Kitty (Michelle Johnson), Elizabeth Bennet (Sonja David), Jane Bennet (Luisa Schulz), Misses Bennet (Jessica Harich), Mister Bingley (Sohban Nisa).

„Stolz und Vorurteil“ eröffnete das Schultheaterfestival . Das Publikum war begeistert.

shz.de von
16. Mai 2018, 10:00 Uhr

Neumünster | Das Schultheaterfestival wurde am Montag mit „Stolz und Vorurteil“ im Theater in der Stadthalle eröffnet. Noch bis zum 31. Mai bekommen Nachwuchsschauspieler die Möglichkeit, Theaterluft zu schnuppern. Mit dabei sind die Theatergruppen der Vicelinschule, der Gemeinschaftsschulen Brachenfeld und Faldera und der Theodor-Litt-Schule. Jane Austens Klassiker wurde vom Theaterjugendclub vor 150 Zuschauern inszeniert.

Die Gruppe unter der Leitung von Regisseur Eirik Behrendt entschied sich, den ernsten Stoff in einer komödiantischen Fassung (Edmund Linden) auf die Bühne zu bringen. Jane Austen (Birte Rinck) führt die Zuschauer selbstbewusst und schnippisch durch die Geschichte: Die Familie Bennet lebt auf einem kleinen Landsitz in Hertfordshire. Misses Bennet (Jessica Harich) hat fünf Töchter ohne nennenswerte Mitgift, die es unter die Haube zu bringen gilt. Da trifft es sich gut, dass das Nachbargut Netherfield Park von dem vermögenden – und unverheirateten – Mister Bingley (Sohban Nisa) bezogen wurde. Bei ihm befindet sich sein Freund der stolze Mister Darcy (Tyko Hansteen), der sich vom profanen Landadel abgestoßen fühlt. Doch wider Willen verliebt er sich in Elizabeth Bennet (Sonja David), die keine all zu hohe Meinung von Bingleys arrogantem Freund hat.

„Stolz und Vorurteil“ funktioniert als Komödie sehr gut. Schon im Original sind einige Figuren so überzeichnet, dass es komisch wirkt. Jessica Harich tut sich als Misses Bennet besonders hervor. Sie ist laut, überdreht und schrill und passt damit perfekt ins Rollenbild. Ihre anbiedernde Art erzeugt beim Zuschauer regelrecht Fremdschämen. Ihr Mann, gespielt von Daniel Lemke, hat sich seiner Frau mehr oder weniger ergeben und begnügt sich mit sarkastischen Bemerkungen, die er in seine Zeitung brummelt. Nur wenn es um seine Lieblingstochter Elizabeth, genannt Lizzy, geht, stellt er sich gegen seine Frau.

Sonja David war als Lizzy in der ersten Hälfte des Stücks noch so ruhig, dass man die Befürchtung hatte, sie wird ihrem schlagfertigen und dickköpfigen Rollenbild nicht gerecht. Das änderte sich allerdings in der zweiten Hälfte, als sie und Mister Darcy sich annäherten. Plötzlich stritt sie laut und sagte, was sie dachte.

Auch Darcy stand anfangs sehr im Hintergrund. Vielleicht etwas zu sehr, denn wer das Original nicht kennt, hätte es komisch finden können, dass er gegen Ende eine so zentrale Rolle spielt. Hier wurde der Stoff vielleicht zu sehr gekürzt.

Die Leistung der Jungschauspieler war insgesamt solide. Hier und da gab es Versprecher, die aber verzeihlich sind. Das Bühnenbild (Tyko Hansteen und Ralf Hiller) wirkte sehr professionell. Wie in einer Situationskomödie (Sitcom) bildete ein Sofa den Mittelpunkt. Im Hintergrund wurden die verschiedenen Anwesen oder Landschaften an die Wand projiziert. Regisseur Eirik Behrendt, der erst Anfang diesen Jahres zur Truppe stieß, beschreibt die Arbeit als sehr angenehm. „Jeder hat seine eigenen Aufgaben: Es gibt Leute für Maske, Bühne und Kostüme, wie in einem professionellen Theater“, so Behrendt. Das spürte auch das Publikum und honorierte die Leistung mit tosendem Applaus.

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