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Schul-Kinowochen : Schwere Kost erforderte Nachgespräche

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Rahmen der Schul-Kinowochen sahen sich rund 100 Schüler den Film „Heil“ im Cineplex an. Das Thema war für viele schwer verständlich.

Neumünster | Die beliebten Schul-Kinowochen locken derzeit wieder viele Schüler ins Cineplex-Kino am Kuhberg. Rund 100 Neunt- und Zehntklässler sowie Oberstufenschüler der Gemeinschaftsschule Brachenfeld, der Wilhelm-Tanck-Schule und der Elly-Heuss-Knapp-Schule sahen gestern den Film „Heil“. Die Satire von Dietrich Brüggemann ist in diesem Sommer in die Kinos gekommen und behandelt auf stark überzeichnete Weise die enge Vernetzung gesellschaftlicher Gruppen in Deutschland.

Jeder bekommt in der unterhaltsamen und auch thematisch sehr komplexen Geschichte sein Fett weg: Tumbe Springerstiefel-Nazis aus dem Osten, die Antifa, der Verfassungsschutz, die Medien, das Bildungsbürgertum, die Polizei, der Geschlechterdiskurs, die Politik und die Musikszene. Auch die in der bürgerlichen Mitte grasenden Nazis mit Rollkragenpulli und Fönlocke – im Film als „Nipster“, als nationale Hipster bezeichnet – werden thematisiert.

„Toll an dem Film ist, wie viele gesellschaftliche Gruppen behandelt werden. Außerdem ist er gespickt mit Feinheiten, je öfter man ihn sieht, desto mehr Details fallen auf“, sagte Andreas Leimbach, der bei der Stadt für den Jugendschutz zuständig ist und den Film ins Schul-Kinowochen-Programm gesetzt hat. „Nazisein ist im Kern ein sexuelles Frustproblem“, sagt einer der Charaktere zu Beginn des Films. Der Polizist – übrigens eine der wenigen Rollen, die sich entwickeln – greift damit ein weiteres Kernthema des Films auf: Verschreiben sich Menschen Ideologien aus rein persönlichen Antrieben? Und wie stabil sind die ideologischen Schubladen, in die Symbole gepackt werden?

Möglicherweise überfordert der Film Jugendliche, jedenfalls fielen die Reaktionen im Abschlussgespräch mit Andreas Leimbach sehr verhalten aus, eine Diskussion kam nicht recht in Gang. „Der Film hat zu viele Handlungsstränge und war schwer verständlich“, meinte Chiara Tietgen (15) aus der 10e der Wilhelm-Tanck-Schule. Tarek Ziegler (15) pflichtete ihr bei: „Inhaltlich habe ich nicht so viel mitbekommen. Das Nachgespräch war gut, weil es viele Infos vermittelt hat.“ Das Nachgespräch war auch ein Grund, weshalb Lehrerin Beatrice Severin den Film mit ihrer Klasse besucht hat. „Das ist ganz wichtig, um im Unterricht daran anknüpfen zu können. Wir werden doch mehr Zeit für die Bearbeitung brauchen, als ich eingeplant hatte“, sagte sie.

Szenen des Films möchte die Lehrerin im Fach Darstellendes Spiel auf die Bühne bringen: „So erarbeiten sich die Schüler die Themen auf eine neue Weise.“

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