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Hans-Fallada-Preis 2016 : Schweizer Debütant erhält die Auszeichnung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Jonas Lüscher wird im März für sein Werk „Frühling der Barbaren“ geehrt.

Neumünster | Es ist schon eine kleine Sensation: Der Hans-Fallada-Preis 2016 geht an den Schweizer Erzähler und Essayisten Jonas Lüscher. Der 39-Jährige erhält den Preis für sein deutschsprachiges Debüt-Werk, die 2013 erschienene Novelle „Frühling der Barbaren“. Zum ersten Mal wird damit ein Neuling geehrt.

Die Jury mit Günter Humpe-Waßmuth (Vorsitz), Prof. Dr. Heinrich Detering, Franziska Wolffheim, Dr. Sandra Kerschbaumer, Tina Krauskopf und Wend Kässens entschied sich auf der abschließenden, gut zweistündigen Sitzung am Mittwochabend im Rathaus mehrheitlich für den Philosophen und Ethiklehrer aus Bern und sein 125 Seiten starkes Werk. Die mit 10  000 Euro dotierte Auszeichnung soll bei einer Feier am 9. März an den 17. Fallada-Preisträger überreicht werden.

In seiner Novelle schildert Lüscher bildstark, komisch und zugleich mit philosophischem Ernst die Auswirkungen der Finanzkrise auf eine Gruppe junger Londoner Spekulanten, die sich bei einer Hochzeitsfeier in einem tunesischen Oasenresort aufhalten. „Unter der heißen Sonne der perfekt erzählten Novelle stellt sich die Frage, was moderne Menschen und Gesellschaften eigentlich zusammenhält. Die ethischen Implikationen aus dem von Lüscher dargestellten Zivilisationsbruch scheinen unabsehbar. So unterschiedlich die Sprache beider sein mag, verbindet Hans Fallada und Jonas Lüscher doch das Interesse an gesellschaftlichen Krisensituationen“ heißt es in der Begründung der Jury.

„Lüscher ist ein beeindruckender Schreiber mit klarer Sprache, auch wenn er nicht zu den klassischen Bestseller-Autoren gehört“, sagt Jury-Mitglied Tina Krauskopf. Die Filialleiterin der Buchhandlung Lübbert hat den Preisträger im Sortiment (C. H. Beck, 14,95 Euro). „Es war keine einfache Entscheidung. Am Anfang hatte jeder Juror zwei Titel im Rennen. Am Ende haben wir dann über drei Bücher abgestimmt“, sagt sie.

Auch Buchhändlerin Renée Clément hat die Novelle bestellt, allerdings noch nicht gelesen. „Schweizer Autoren sind hier nicht so bekannt. Da muss man sich für interessieren“, sagt sie.

Für Dr. Klaus Fahrner, Leiter der Stadtbücherei, stellt Lüscher erhebliche Ansprüche an den Leser zur Mitarbeit: „Der Text bietet viel, erfordert aber auch Wissen.“ In der Stadtbücherei sind zwei Exemplare zur Ausleihe vorhanden.

Lüscher ist nach Lukas Bärfuss (2010) der zweite Schweizer, der den Preis erhält.

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erstellt am 24.Okt.2015 | 10:00 Uhr

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