Schwarzfahren ist ein teures Vergnügen

justizhammer

von
11. April 2018, 09:00 Uhr

Schwarzfahren kommt teuer zu stehen – zumindest, wenn man so dreist vorgeht, wie der 29-jährige Neumünsteraner, der sich jetzt vor dem Amtsgericht wegen „Beförderungserschleichung“ verantworten musste.

Gleich drei Mal hatte sich der Mann, der derzeit von Hartz IV lebt, auf der Rückfahrt von Halle nach Neumünster erwischen lassen. Weder hatte er ein gültiges Ticket dabei, noch konnte er die Weiterfahrt bezahlen, vom fälligen und nicht eben günstigen Ticket-Zuschlag ganz zu schweigen. Alle drei Zugbegleiter kannten kein Pardon und brachten den Fall ohne Federlesens zur Anzeige.

Immerhin habe sein Mandant versucht, den Schaden für die Bahn so gering wie möglich zu halten, versuchte der Verteidiger Richterin und Staatsanwalt dennoch zu besänftigen. Gezielt hatte der Mann Bummelzüge für seine Reise ausgewählt und laufend versucht, das Fahrgeld doch noch aufzutreiben.

Zumindest beim Staatsanwalt stieß die Bitte um Nachsicht auf nur sehr, sehr geringe Resonanz. Er stellte in seinem Plädoyer vor allem heraus, dass der Beschuldigte unmittelbar vor seiner jüngsten Schwarzfahrt von einem anderen Gericht zu einer Freiheitstrafe auf Bewährung verurteilt worden war, ebenfalls wegen Beförderungerschleichung. „Das allein ist schon ein Hammer“, geißelte der Staatsanwalt die fehlende Schuldeinsicht.

Die konnte er auch bei einer mitangeklagten unerlaubten Rollerfahrt des Angeklagten nicht ausmachen. In diesem Fall war der 29-Jährige im vergangenen Oktober in der Christianstraße mit einem Roller erwischt worden, den er nach eigener Einlassung günstig von einem Bekannten erworben hatte. „50 Euro für mein erstes eigenes Motorfahrzeug, da konnte ich nicht widerstehen“, erklärte der Neumünsteraner vor Gericht. Dass an dem Roller das Versicherungskennzeichen fehlte, sei ihm „nicht aufgefallen“. Auch dass er für den Roller einen Führerschein brauchte, den er nicht besitzt, habe er nicht gewusst, beteuerte der Mann treuherzig.

Soviel Blauäugigkeit mochte auch die Richterin dem 29-Jährigen nicht abnehmen: „Wenn Sie von diesen Dingen keine Ahnung haben, hätten Sie sich erkundigen müssen, welche Papiere und Prüfungen Sie für das Fahrzeug benötigen“, hielt sie dem Neumünsteraner vor.

Sie verurteilte den Arbeitslosen zu einer Gesamtstrafe von 1350 Euro, die er in Monatsraten zu 30 Euro abstottern darf.

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