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Holsteinischer Courier

20. Oktober 2017 | 00:04 Uhr

Carlstrasse : Schutzstreifen für Radfahrer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadtteilbeirat Mitte stimmt Plänen der Stadt für die Carlstraße zu. Gelbes Pflaster für die Lütjenstraße kommt gut an

von
erstellt am 13.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Was für eine reizende Sitzung: Kurz bevor der Stadtteilbeirat Mitte am Mittwochabend im Rathaus tagte, war einem der Besucher ein Missgeschick unterlaufen. Der Polizeibeamte hatte sich gesetzt und dabei war seine Pfefferspray-Dose so unglücklich gegen die Stuhllehne gedrückt worden, dass sie einen kurzen Stoß abgab und bei etlichen Besuchern im eng bestuhlten Raum 1.8 für Husten, Schnäuzen und rote Augen sorgte. Fast zwei Stunden später war den Beiratsmitgliedern keineswegs mehr zum Weinen zumute, denn sie hatten zwei Zukunftsprojekten ihren Segen gegeben.

Neumünster wird noch ewig auf dem Weg sein, einmal „Fahrradstadt“ zu werden. Doch zumindest ein Stück näher kommen könnte sie dem 2013 vom Rat beschlossenen Ziel sogar kurzfristig – wenn die Carlstraße radlerfreundlicher würde. Die Stadtverwaltung hat verschiedene Varianten geprüft und empfohlen, zwischen Roonstraße und Ring – also auf gut 800 Metern – auf beiden Fahrspuren einen Schutzstreifen für Radfahrer aufzubringen. Dem stimmte der Beirat zu, nachdem diese Variante im Publikum kontrovers diskutiert worden war. Auch der Stadtteilbeirat Gartenstadt hatte sich im September entsprechend positioniert.

Das Problem in der Carlstraße ist der Zustand der bestehenden Radwege, sie sind nur 1,30 Meter breit, was nicht der gültigen Norm entspricht, und zudem sind sie durch das Wurzelwerk der Bäume am Fahrbahnrand erheblich beschädigt. Zwar ist es Radfahrern erlaubt, auch die Straße zu benutzen, doch erstens wissen das die wenigsten, und zweitens ist dies auch den Autofahrern nicht bewusst. Die Radstreifen könnten beides ändern und nach Ansicht der Verwaltung für mehr Sicherheit sorgen, weil so Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern vor allem im Bereich Jugendspielplatz und Elly-Heuß-Knapp-Schule vermieden werden.

Der SPD, die das Projekt Fahrradstadt mit den Grünen initiiert hatte, reicht das nicht. „Das ist ein Armutszeugnis!“, schimpfte Ratsfrau Franka Dannheiser im Publikum. „Ich bin erschüttert, wir schicken die Radfahrer ins Risiko.“ Stattdessen sollte man darüber nachdenken, eine breite Magistrale mit zwei Radwegspuren zu planen – und zwar durch die ganze Innenstadt bis zur Altonaer Straße. Damit erntete sie prompt den Widerspruch der Polizei. Oberkommissar Kai Lüthje betonte, wo es auf Radwegen Begegnungsverkehr gebe, werde es nach den Erfahrungen der Sicherheitsexperten gefährlich.

Bereits im Prüfprozess ausgeschlossen hatten die Planer die Einrichtung einer Tempo-30-Zone sowie die Verlängerung der bestehenden Fahrradstraße an der Carlstraße zwischen Rendsburger und Roonstraße. Der Beschluss, zwei Radschutzstreifen einzurichten, fiel schließlich einstimmig.

Ebenfalls ausführlich beschäftigten sich die Beiratsmitglieder mit den Plänen der Stadt für die Lütjenstraße. Diese soll mit gelben Klinkern gepflastert und von einer Granit-Rinne durchzogen werden. Die Arbeiten sollen mit den Maßnahmen für die Fernwärme- und Glasfaser-Versorgung in dem Bereich koordiniert werden, daher bestehe ein gewisser Zeitdruck. Denn nachdem die Straße für die Tiefbauarbeiten aufgerissen worden ist, soll bereits der neue Belag gelegt werden. Das Projekt soll 400  000 Euro kosten, so die Schätzung des Planungsbüros WES aus Hamburg.

Mit fünf Ja-Stimmen und einer Enthaltung stimmte der Beirat für das gelbe Pflaster für die Lütjenstraße. Allerdings formulierten die Mitglieder einige zusätzliche Wünsche. Um bei Großveranstaltungen die Sicherheit zu erhöhen, sollen die Eingänge der Straße mit versenkbaren Barrieren versehen werden. Dazu hatte die Polizei geraten. Für die geplanten Bänke wünschen sich die Beiratsmitglieder Armlehnen. Und schließlich fordern sie die Stadt auf, die Sondernutzungssatzung zu überarbeiten, um aggressive Werbung auf der Straße unterbinden zu können.

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