Jugendschutz : Schutz vor Missbrauch wird zum Lehrstoff

Spielerischer Einstieg: Lehrer von sozialpädagogischen Fachschulen aus dem ganzen Land ließen sich gestern bei einem Tagesseminar in der Elly-Heuss-Knapp-Schule ins Thema einweisen.
Spielerischer Einstieg: Lehrer von sozialpädagogischen Fachschulen aus dem ganzen Land ließen sich gestern bei einem Tagesseminar in der Elly-Heuss-Knapp-Schule ins Thema einweisen.

Unterrichtspaket der Elly-Heuss-Knapp-Schule soll Kinder besser schützen

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17. Juni 2015, 07:00 Uhr

Neumünster | Die Zahlen sind nicht neu, aber immer wieder erschreckend: Fast zehn Prozent aller Jungen und Mädchen werden im Laufe ihrer Kindheit Opfer sexueller Übergriffe. Sei es der Lehrer, der der Schülerin mit einem ermunternden Spruch mal eben die Hand aufs Knie legt, der Klassenclown, der über die Oberweite seiner Mitschülerin „witzelt“, oder Schlimmeres – oft genug hinterlassen die Übergriffe bei den Betroffenen tiefe Verunsicherungen oder Verletzungen.

Um Kinder besser zu schützen, hat die Elly-Heuss-Knapp-Schule (EHKS) bereits vor vier Jahren mit Unterstützung des Bildungsministeriums damit begonnen, das lang tabuisierte Thema für die Erzieherausbildung aufzubereiten. Künftige Erzieher und Kindergärtnerinnen, so die Idee, sollten bereits während ihrer Ausbildung in die Lage versetzt werden, Übergriffe zeitig zu erkennen und aktiv gegenzusteuern. Der Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch sollte endlich verbindlicher Lehrstoff werden.

Dazu ist es nicht ganz gekommen, dennoch empfinden die Macher an der EHKS das Modellprojekt, das gestern offiziell abgeschlossen wurde, als Erfolgsgeschichte.

Unterstützt vom Kieler Präventionsbüro Petze stellten die Ausbilder Inga Hansen, Katja Boysen und Günter Mausolf ein 40 Lehrstunden umfassendes Ausbildungspaket zusammen, in dem die wichtigsten Fragen zum Thema Schritt für Schritt erklärt und mit Lehrmaterial hinterfüttert werden. Nur eine von vielen spannenden Fragen, auf die Erzieher im engen Austausch mit den Jugendlichen immer wieder neu eine Antwort finden müssen: Wo beginnt eigentlich sexuelle Belästigung? Wo endet der harmlose Flirt, den auch Jugendliche ausprobieren wollen, ab wann wird er zur verstörenden Anmache?

Ihr Konzept zur „Prävention von sexuellem Missbrauch in der Ausbildung von Erziehern“ (PIA) haben die Erzieher-Ausbilder der EHKS inzwischen an zahlreichen sozialpädagogischen Fachschulen vorgestellt. Zehn der 15 Fachschulen des Landes wollen das Konzept langfristig im Lehrplan übernehmen, die anderen immerhin Bausteine der Neumünsteraner in ihre Ausbildung aufnehmen. Inzwischen gibt es sogar Anfragen aus anderen Bundesländern, die sich PIA erklären lassen wollen.

„Bis vor drei Jahren gab es kein Konzept, wie wie wir bei sexuellen Übergriffen intervenieren, jetzt haben wir ein gutes Netzwerk, das Thema bis in die Kitas zu tragen“, lobte Jan Nissen vom Bildungsministerium.

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