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„Flunkerwoche“ : „Schulpflicht gilt bis zum letzten Tag“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Woche vor den Sommerferien vorzeitig in den Urlaub, weil es günstiger ist? Das kann ein Bußgeld von 150 Euro kosten

Neumünster | Die letzte Woche vor den Sommerferien läuft, am Freitag gibt es Zeugnisse. An richtigen Unterricht und intensives Pauken denkt da niemand mehr; viele Schulen machen Aktions- oder Projekttage. Doch die sogenannte „Flunkerwoche“ wird von manchen Eltern auch genutzt, um ihre Kinder unter einem Vorwand vorzeitig aus der Schule zu nehmen und dann schneller und damit in der Regel günstiger in den Urlaub zu fahren. Meist wird dazu eine Entschuldigung wegen Krankheit geschrieben. Doch das ist eine Ordnungswidrigkeit, die teuer werden kann.

„Es gilt der Grundsatz der Schulpflicht bis zum letzten Schultag“, betont Schulrat Jan Stargardt auf Courier-Anfrage. Kommt heraus, dass ein Schüler dem Unterricht unerlaubt ferngeblieben ist, werde das als unentschuldigtes Fehlen vermerkt. Es würden in so einem Fall entsprechende Gespräche mit ihm und den Eltern geführt. Stargardt: „In begründeten Ausnahmefällen kann die Schule auch ein Bußgeld beantragen.“

Das passiert laut Stadtsprecher Stephan Beitz durchaus, wenn auch nur etwa fünf Mal pro Jahr. „Die Informationen erhält unser Fachdienst Ordnungsangelegenheiten direkt von den Schulleitungen. Es wird dann ein Bußgeldbescheid über 150 Euro mitgeschickt.“ Einsprüche gegen so einen Bescheid habe es bisher nicht gegeben, so Beitz. Betroffen sind Familien quer durch die Gesellschaftsschichten. „Die gesetzlichen Regelungen zur Schulpflicht sind aber allen Akteuren sehr geläufig“, sagt er.

Über die Zahl der Eltern, die auf legalem Wege ihre Kinder direkt vor den Ferien beurlauben lassen wollen und dafür einen Antrag stellen, hat Stargardt keine Übersicht: „Das wird nicht statistisch erhoben. Es handelt sich allerdings um Ausnahmefälle.“ Thomas Schunck, Sprecher des Kieler Bildungsministeriums, stellt dazu klar: „Anträge der Eltern, die nur dazu dienen, die Pauschalreise günstiger zu bekommen, werden abgelehnt. Ansonsten können Schulleitungen autonom handeln.“

Medienberichte, nach denen die Bundespolizei stichprobenartig Kontrollen unter Familien mit Kindern mache, sind laut Sprecher Hanspeter Schwartz nicht richtig. „Wir kontrollieren keine Schulschwänzer. Das ist nicht unser Arbeitsschwerpunkt.“

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erstellt am 19.Jul.2017 | 12:00 Uhr

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