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Grosser Mensa-Vergleich : Schulmensa – viel mehr als bloße Futterkrippe

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Schulessen gehört inzwischen zum Schulalltag – aber schmeckt ’s auch? Das Lokale Bündnis für Familien will es genau wissen. Den Vergleich gibt es hier als Download.

von
erstellt am 03.Apr.2014 | 04:30 Uhr

Neumünster | Und es gibt ihn doch, den kleinen Unterschied zwischen Jungs und Mädchen. Zum Beispiel in der Schulmensa: Während die Mädchen vom Mittagessen in der Schule vor allem erwarten, dass es 1. schmeckt, 2. gesund ist und 3. wenig Kalorien hat, ist für Jungen wichtig, dass es 1. schmeckt, 2. satt macht und 3. der Preis stimmt. Das behaupten jedenfalls Ernährungsexperten, die die Akzeptanz von Schulmensen untersucht haben. Aber stimmt das auch für Neumünster?

Das Lokale Bündnis für Familien will es genauer wissen und startet deshalb noch vor der Sommerpause eine große Umfrage unter Neumünsters Schülern: Wer nutzt die Mensa? Und was kann man besser machen, damit das Essen – und damit vielleicht auch die Schule – schmeckt? Der Courier begleitet die Umfrage als Medienpartner und schaute sich zuvor (stellvertretend) im Mensabetrieb des Einfelder Schulzentrums um.

Dienstagmittag, kurz nach 12.30 Uhr: Die Edelstahlschalen hinter dem gläsernen Tresen dampfen bereits verdächtig, aber noch ist der große lichte Saal mit offenen Fensterfront zur Terrasse kaum besetzt, an einem Tisch hat sich eine kleine Gruppe Vorschulkinder aus der benachbarten Grundschule niedergelassen, die mit ihrer Lehrerin flachst, ansonsten ist es noch ziemlich leer. Das ändert sich schlagartig: Binnen Sekunden hat sich zum Start der großen Pause vor den Tresen eine lange Schlange gebildet. Dennis (13) ist der Erste. Lässig zieht er seine Mensakarte an einem elektronischen Lesegerät vorbei und bestätigt Maike Bredfeldt hinter dem Tresen seinen Menüwunsch. „Cordon Bleu“, heute mit Wurzelgemüse und Kartoffeln, hat er erst in der Mensa kennengelernt, gehört inzwischen aber zu seinen Lieblingsgerichten, wie er versichert. Auf den Saft verzichtet er heute, stattdessen hat er sich bereits vorab an der Wasserbar im Vorflur bedient – das gibt es jederzeit kostenlos. Während Dennis und seine zwei Begleiter mit ihren Tabletts einen Sechsertisch nahe am Fenster ansteuern – „Da sitzen wir immer, wenn ’s geht!“ – ist hinter ihnen die Essenausgabe jetzt voll angelaufen.

Neben Mensa-Leiterin Maike Bredfeldt schieben zwei weitere Helferinnen die Mahlzeiten pausenlos über den Tresen. Fünf verschiedene Menüs stehen zur Auswahl: eines mit Fleisch, eines vegetarisch, ein besonderer Salat, Ofenkartoffel mit Quark oder – besonders beliebt – die „Pastabox“, ein Nudelgericht im Pappkarton. Trotz des breiten Angebots geht es flott voran. Was auf den Teller soll, haben die Schüler längst zuhause aus dem Online-Speiseplan ausgesucht. Wer sich noch nicht entscheiden konnte, kann noch bis 8.30 Uhr am Morgen für den selben Tag nachbestellen. Bezahlt wird über eine elektronische Geldkarte, die die meisten Schüler um den Hals tragen.

Auch Schüler (oder Lehrer), die ihre Menü-Karte vergessen haben, müssen nicht hungern. Am PC können Maike Bredfeldt und ihre Kollegen meist schnell überprüfen, wer bestellt hat und welche Geldbeträge noch auf der wiederaufladbaren Karte stehen. Noch schneller geht ’s, wenn die Schüler ihre Kunden-Nummer kennen. „Die meisten haben sie im Kopf“, sagt Mensa-Chefin, Maike Bredfeldt, für die ihre Kunden allerdings keineswegs nur Nummern sind. „Die meisten kenn’ ich inzwischen mit Vornamen“, sagt sie.

Auch wer nicht bestellt hat, muss nicht darben: Neben den Standardgerichten hält die Mensa kleine Snacks bereit, die allerdings in bar bezahlt werden müssen. Als Renner hat sich ein „Vital-Baguette“ erwiesen – ein Körnerbrötchen mit Käse, Salat und Tomate. Zwar werden auch Schokoriegel, Fanta & Co. angeboten, die fristen allerdings eher ein Schattendasein, wie Maike Bredfeldt versichert. Vielleicht auch, weil sie nicht mit der Geldkarte, sondern bar bezahlt werden müssen. Die Geldkarte wird meist von den Eltern bezahlt, bar geht vom Taschengeld ab. Die Mensachefin hat eine freundlichere Erklärung: „Die meisten Schüler wollen gesund essen – wenn es denn schmeckt!“

Rund 250 Mahlzeiten werden in der Mensa des Einfelder Schulzentrums an Schüler, Lehrer und Vorschüler der Alexander-von-Humboldt-Schule (AvH) und der benachbarten Grund- und Gemeinschaftsschule täglich ausgegeben. Doris Weege, Schulleiterin der Humboldtschule, schätzt dass etwa zwei Drittel ihrer 990 Schüler zumindest unregelmäßig in der Mensa speisen. Hätten sich vor wenigen Jahren viele Eltern noch skeptisch gefragt, warum ihr Nachwuchs in der Schule essen soll, sei die Mensa im langen Schulalltag heute kaum noch wegzudenken, sagt Weege. Für die Schulleiterin ist die Mensa allerdings längst weit mehr als nur schnelles Essenfassen. Der Mittagstisch unterbreche die Schulroutine im besten Sinne, sei Treffpunkt für Schüler und Lehrer, ist die Pädagogin überzeugt: „Am Mittagstisch ist Pause, in der im Idealfall auch nicht über Schule geredet wird.“ – Auch das gibt Kraft für den Unterricht am Nachmittag.

Schulmensen im Überblick - zum Download.pdf

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