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Fussball-Sammelalben : Schulen ärgern sich über Lockangebote

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ungefragt erhielten die Gartenstadt- und die Tonner-Schule kistenweise Sammelalben für Fußball-Klebebilder.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2016 | 12:00 Uhr

Neumünster | Seit Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich haben sie wieder Hochkonjunktur: die beliebten Klebebilder des italienischen Konzerns Panini, auf denen alle Fußballer des aktuellen Turniers abgebildet sind. Auch auf vielen Pausenhöfen in Neumünster werden die bunten Bildchen fleißig getauscht. „Ob und in welchem Umfang das geschieht, entscheidet jede Schule selbst“, sagt Schulrat Jan Stargardt. Doch als Panini jetzt an zwei Grundschulen kostenlose Alben zum Verteilen verschickte, griff er ein: „Das ist laut Schulgesetz eine unerlaubte Werbemaßnahme. Die Schulen dürfen das nicht ausgeben“, sagt er.

Betroffen sind die Gartenstadt- und die Rudolf-Tonner-Schule in Tungendorf. „Wir haben eine ganze Kiste voller kostenloser Sammelalben per Post zugeschickt bekommen“, erzählt die Leiterin der Gartenstadtschule, Ellen Naumann. Sie schickte das Paket umgehend zurück. Der gleiche Fall spielte sich auch an der Rudolf-Tonner-Schule ab. Dort fand der kommissarische Schulleiter Carsten Walter ebenfalls eine Kiste voller Sammelalben in der Post. „Die habe ich sofort in den Papierkorb geschmissen. Dadurch werden die Kinder angefixt, die Bilder zu kaufen, und das unterstützen wir nicht“, sagt er bestimmt.

Gegen das Tauschen der Bilder im Allgemeinen hat Carsten Walter dagegen nichts. „Wenn sich die Kinder privat ein solches Album besorgen, dürfen sie in den Pausen gerne tauschen“, sagt der Lehrer, der selbst fleißiger Sammler ist. Streitigkeiten gebe es auf dem Schulhof nicht. „Das läuft absolut vernünftig ab, da habe ich ein Auge drauf“, sagt Walter.

In der Grundschule an der Schwale ist das Tauschen der Bilder ebenfalls erlaubt – „aber natürlich nur in der Pause und nicht im Unterricht“, sagt Schulleiterin Annika Heygster. Das große Sammelfieber ist dort bislang noch nicht ausgebrochen. „Pro Klasse gibt es drei, vier Kinder, die die Bilder tauschen. Das läuft ganz friedlich und ohne Streit ab.“

An der Gartenstadtschule ist das Tauschen der Bilder im Unterricht verboten, in der Pause sieht Ellen Naumann jedoch keine Probleme. Es sei denn, es käme zwischen den Schülern zu gravierenden Streitigkeiten: „Wenn es massiv würde, reagieren wir.“

Ähnlich äußert sich Martina Behm-Kresin, Schulleiterin der Timm-Kröger-Schule. „Wenn es Probleme gibt, wird das sofort geregelt. Bisher ist mir nichts bekannt, die EM hat aber ja auch gerade erst angefangen.“ Die Lehrer der Brachenfelder Schule bauen das Thema Fußball zurzeit gezielt in den Unterricht mit ein. „Vielleicht gibt es ja jetzt ein Klassen-Sammelheft“, sagt die Schulleiterin schmunzelnd.

An der Grundschule Gadeland dürfen die Kinder ebenfalls während der Pausen tauschen. „Da herrscht auch reger Betrieb“, sagt Jürgen Behr. Streitigkeiten gebe es zwischen den Schülern aber nicht, bestätigt der Schulleiter. „Da gibt es keine Probleme. Es kam allerdings schon vor, dass Eltern auf den Schulhof kamen und versuchten, mit den Kindern ins Geschäft zu kommen. Das habe ich unterbunden.“ Leidenschaftliche und engagierte Tauschaktionen von Schülern sind auch Helmut Simon, Schulleiter in Wittorf, bekannt. „Ich habe aber deutlich gemacht, dass die Kinder sich einigen sollen, sonst würde ich das verbieten“, sagt er.

An der Johann-Hinrich-Fehrs-Schule ist das Tauschen von Sammelbildern aller Art grundsätzlich verboten. „Diese Regelung gilt schon seit mehreren Jahren, weil es bei diesem Thema immer Streit gibt“, sagt Schulleiterin Bärbel Wulf-Fechner. „Es kam immer wieder vor, dass Bilder auf einmal verloren gegangen sind. Dann mussten wir die Situation klären, und dafür ging viel Unterrichtszeit drauf. Daher haben wir den Kindern gesagt, dass sie gerne vor und nach der Schule tauschen dürfen, aber nicht während der Unterrichtszeit. Dafür haben die Schüler auch Verständnis“, sagt Bärbel Wulf-Fechner.

Keine Auffälligkeiten melden die Vicelin- und die Mühlenhofschule sowie die Hans-Böckler-Schule und die Grundschule Einfeld. „Wir hatten vor einigen Jahren sogar mal eine Panini-AG, aber der Lehrer, der sie leitete, ist nicht mehr bei uns“, sagt Einfelds Schulleiterin Gunhild Cordts.

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